(Wien, 5.6.2009) Die Leichtigkeit mit der viele User im Internet surfen ist fast fahrlässig. Wer im World Wide Web unterwegs ist, hinterlässt auch Spuren. Google und Co nutzen Userinformationen zum Beispiel für Werbezwecke. Mittels Web-Bugs oder ähnlichen Tracking-Instrumenten werden die Möglichkeiten die das Internet bietet, zur unermüdlichen Antriebsfeder von Daten-Sammelwut seitens der Betreiber und Regierungen. Mit dem Beschluss der EU zur Vorratsdatenspeicherung bekommt die digitale Welt zudem ein Gedächtnis. User-Daten müssen sechs Monate lang gespeichert werden. Wir haben nichts zu verbergen, doch vielleicht möchten wir genau das verbergen.
Datenspeicherung
Mit der, von der Europäischen Union 2006 verabschiedeten, Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung verpflichten sich die EU-Mitgliedsstaaten alle Verbindungsdaten der Anwender für mindestens sechs Monate zu speichern. Provider sind zur Speicherung ohne Verdachtsmomente gegen den User verpflichtet, als Begründung dafür muss (wieder einmal) der Terrorismus herhalten.
Im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung werden alle Verbindungen sowohl im Internet, als auch mittels Mobiltelefonen gespeichert. Die zuständigen Politiker werden allerdings nicht müde zu betonen, dass keinesfalls Inhalte von Gesprächen gespeichert werden. Allerdings speichern die Provider wann wer mit wem wo kommuniziert hat. Fehlt bislang also nur noch das "was". Demensprechend formiert sich auch im Netz vehementer Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung.
Widerstand
In Deutschland, wo die sogenannte Data Retention bereits umgesetzt wurde, macht sich der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung gegen die Richtlinie stark. In Österreich ist die Richtlinie bisher noch nicht umgesetzt, wofür die Alpenrepublik bereits von der Europäischen Union gemahnt wurde. Für die digitale Privatsphäre in Österreich setzt sich unter anderem die Österreichische Gesellschaft für Datenschutz ARGE Daten ein. Weitere Informationen zum Thema Datenschutz finden sich zum Beispiel auf ad.or.at. Tipps zur Umgehung der Vorratsdatenspeicherung finden sich hier.
Ob die Vorratsdatenspeicherung als ein Eingriff in die Grundrechte der Bevölkerung zu werten ist, wird wohl auch in Zukunft für heftige Diskussionen sorgen.
Zwiebel-Anonymität
Im Internet finden sich zahlreiche Tools, die dem User mehr Anonymität im Netz bieten sollen. Zur Anonymisierung von Netzwerkdaten können die Internet-User unter anderem das TOR (The Onion Routing)-Netzwerk nützen. Dazu installiert der User die Software auf seinem PC oder auf einen USB-Stick. Mittels TOR werden die Verbindungen des Users durch ein verteiltes Netzwerk von Servern geleitet. Ursprünglich wurde das Onion-Routing-Project für die US Navy entwickelt, um die Regierungs-Kommunikation zu schützen. Heute werden die Onion Router von privaten Personen betrieben. Bei TOR geht es vor allem um die Anonymisierung der sogenannten Kopfdaten, die unter anderem die Quelle, das Ziel oder die Größe von Datenpaketen enthalten. Selbst wenn die eigentlichen Informationen von Datenpaketen verschlüsselt sind, könnten unliebsame Dritte den Datenverkehr über die Kopfdaten analysieren.
Beim Surfen mittels TOR wird die Verbindungskette immer über drei TOR-Server hergestellt, wobei jeder Server seinen Vorgänger und Nachfolger kennt. Doch auch über das Onion Routing ist der User nicht hundertprozentig vor Gefahren gefeit, denn während der Datenverkehr innerhalb des TOR-Netzwerkes verschlüsselt erfolgt, können am Exit-Node (letzter Server) sensible Daten eingesehen werden, wenn diese unverschlüsselt übertragen werden. Da praktisch jeder einen Exit-Node betreiben kann ist die Gefahr alles andere als eingedämmt, das zeigt auch der Bericht "Practical Onion Hacking". Daher muss der User unbedingt auf eine verschlüsselte Verbindung achten (erkennbar an einer mit https:// beginnenden URL), sobald sensible Daten übertragen werden. Ein riesiger Nachteil bei der Nutzung von TOR ist allerdings die Einschränkung der Verbindungsgeschwindigkeit, wodurch regelmäßiges Surfen mittels Onion Routing zu einer Geduldsprobe wird.
Alle weiteren Fragen zu TOR werden hier beantwortet.
Für Mitglieder bietet der Fachverband UBIT Wien einen Privacy Dongle an, um für mehr Privatsphäre im Netz zu garantieren. Um zu sehen, ob das TOR-Netzwerk auch funktioniert und anonymes Surfen gewährleistet ist, bietet Metasploit einen Online-Test.
Eine Übersicht zu populären Anonymisierungsdiensten mit kurzen Beschreibungen bietet die Seite meineipadresse.de. Für den Internet Explorer gibt es zum Beispiel Browzar, für Firefox den XeroBank Browser.
Bugs, Bugs und nochmals Bugs
Mittels Web-Bugs werden Anwender-Informationen wie die IP-Adresse, besuchte Website oder der Browsertyp an einen Auswertungsserver weitergeleitet. Eine aktuelle Studie entlarvt Google als Spitzenreiter beim Einsatz von Web-Bugs. Mittels Browser-Add-Ons wie Ghostery können User nachvollziehen, ob die jeweilige Seite das versteckte Skript nützt.
Der User muss sich im Klaren darüber sein, dass das Internet ein offenes Netz ist, das nicht nur unzählige Möglichkeiten, sondern auch unzählige Gefahren für jeden Einzelnen eröffnet. Wie man damit umgeht, bleibt jedem selbst überlassen. Das ausführbare Verhaltens-Spektrum des Users reicht auf jeden Fall von hochgradiger Paranoia bis zu absoluter Sorglosigkeit.
© Telekom-Presse
|
|
|
Telekom-Presseon |
|
|
|
Suchbegriffe: Anonym surfen