Dann waren es nur mehr Drei

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Dann waren es nur mehr Drei

 

Orange wird nach den letzten vier wenig erfolgreichen Jahren vom Spielfeld verschwinden. Für die Kunden wird das in den nächsten Jahren wohl kaum eine Rolle spielen. Aber etwa 2.000 Jobs werden verloren gehen.

 

(04.02.2012, 13:50) Orange und mit dem Unternehmen sein CEO Michael Krammer haben verloren, Orange Austria wird an 3 verkauft. Als im Jahr 2007 der Deal zwischen dem Finanzinvestor Mid European Partners (MEP) und den Alteigentümern bekannt wurde, war klar, dass das Unternehmen eine Strategie auf massiven  Kundenzuwachs fahren muss.

Ein Finanzinvestor will den Wert des Objekts erhöhen um es rasch mit möglichst viel Gewinn zu verkaufen. Genau das muss wohl Michael  Krammer versprochen haben, der vor dem Kauf als Berater für MEP tätig war. Mit seinem Erfolg bei tele.ring, das er mit der genialen Kampagne „Weg mit dem Speck“, der zum Verkauf an T-Mobile damals um ebenfalls 1,3 Milliarden Euro führte, muss er wohl überzeugend gewirkt haben.

Krammer holte sich dazu seine alten Mitstreiter in’s Top Management wie etwa Sabine Bauer als CSO und Elmar Grasser als CTO. Aber die Rechnung ging hinten und vorne nicht auf. One bzw. Orange verlor heftige 2,5 Prozentpunkte seines Marktanteiles in der Zeit von der Übernahme bis Mitte 2011.

Was mich nicht sehr wundert, denn das Marketing von One bzw. Orange plätscherte völlig ideenlos dahin. Wer erinnert sich noch an die Kampagnen aus Krammers Zeit? Die letzten von One, die noch der vorher amtierende Marketing Chef von One, Michael Fried, entwickelt hatte sind mir noch gut in Erinnerung: 4:0 und HUI brachten One damals kräftige Zuwächse.

Soweit ich weiß, zogen die Eigentümer bereits im März die Notbremse und entschieden sich für den Verkauf. Im April legte Orange dann alle Entwicklungs- und Netzausbauprojekte still. Verträge mit Lieferanten wurden soweit möglich storniert und man machte sich auf die Suche nach einem Käufer. Im Sommer begannen dann nach Aussage von 3 CEO Jan Trionow die Gespräche.

Und das Resultat ist wohl auch für die Eigentümer eine ziemliche Niederlage. Der Verkaufspreis von 1,3 Milliarden bedeutet eine Wertminderung gegenüber 2007 um 100 Millionen Euro. Zwar wurde ein Besserungsschein von 70 Millionen vereinbart, der in zwei Jahren schlagend wird, so bestimmte Ziele bei der Zusammenführung der Unternehmen erreicht werden. Selbst dann steht noch ein Verlust zu Buche. Und ob der mit schon seit einiger Zeit völlig demotivierten und Kunden gegenüber patzig agierenden Mitarbeitern erreicht werden kann, ist höchst fraglich.

Die Auswirkungen auf Kunden …..

Orange und 3 müssen nun auf die Genehmigungen durch die Wettbewerbshüter in Wien und Brüssel warten. Und die werden sich die Auswirkungen auf die Kunden ansehen. Für diese reduziert sich das Angebot zunächst einmal um 25%. Aber wird der Wettbewerb leiden? Besteht die Gefahr von Absprachen unter den verbleibenden Konkurrenten?

Aus Wien gab es dazu schon eine Wortspende: „Ein Okay für dieses Paket ist, so wie es derzeit ausschaut, schwer vorstellbar“, sagte Stefan Keznickl, Sprecher der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) am Freitag. Die Entscheidung fällt aber nicht in Wien, sondern in Brüssel. Allerdings, meinte Keznickl mehr die Abgabe von Yess! an Marktführer 3, die so sicher nicht durchgehen wird.

Aber grundsätzlich ist der Deal keine große Gefahr für den Wettbewerb. Ich denke, dass sich 3 auf absehbare Zeit mit einem Marktanteil von 22% nicht zufrieden geben wird, den es nach der Fusion mit Orange und der Abgabe des Diskonters Yess! an A1 erhalten sollte. Trionow hat auch in der Pressekonferenz ausdrücklich als angestrebtes Ziel eine „Drittelparität“ genannt.

Als im August 2005 T-Mobile den Kaufvertrag mit tele.ring Eigentümer Western Wireless International unterzeichnete, hatte A1 mit rund 41% etwa den gleichen Marktanteil wie heute, T-Mobile kam auf 25%, One auf 19%, tele.ring auf 12% und 3 auf 3%.

T-Mobile ist nach der tele.ring Akquisition, als das Unternehmen schon auf Augenhöhe mit A1 war, von 37% auf nunmehr rund 31% zurückgefallen. Was mich wenig wundert. Kürzlich hörte ich von einem Freund mit einer kleinen Firmen und einigen T-Mobile Handys, der Vertragspartner von T-Mobile sei auch nach mehrmaligem Ersuchen nicht wegen Vertragsverlängerung aufgetaucht - jetzt telefoniert er mit A1. T-Mobile agiert auch eher lustlos und wenig koordiniert und musste deshalb rund 6 Prozentpunkte abgeben. One holte sich davon bis 2007 rund 2 Prozentpunkte um dann unter Krammer sogar wieder um 0,5 Prozentpunkte unter die Marke von 2005 zurückzufallen. Diese und die 6 Prozent von T-Mobile holte sich 3.

Bis zur Drittelparität fehlen 3 nach der Integration der Orangekunden noch 11%. Agiert T-Mobile so weiter wie bisher, wird wohl es wohl noch mehr Kunden abgeben müssen. A1 wird sicher nicht in der Lage sein die 740.000 von Yess! übernommenen Kunden zu halten - so die Wettbewerbshüter die Abtretung an A1 überhaupt zulassen.

Die Geschichte zeigt also, dass es im Markt eigentlich immer Bewegung, also Konkurrenz gab. Ich nehme an, dass es einige Auflagen hinsichtlich der Frequenzen geben wird. Nicht ganz verständlich ist, dass T-Mobile weder bei Kunden noch bei Frequenzen zum Zug kommen soll, was sich aber wohl noch ändern wird. Aber mit einigen Auflagen, sollte der dann Deal genehmigt werden.

……… und Mitarbeiter

Orange hat derzeit 800 und 3 rund 540 Mitarbeiter. Chinesische Firmen - und das ist Hutchison 3G - sind üblicherweise sehr loyal gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Deshalb können sich die Mitarbeiter von 3 sicher fühlen. Bei den Orange Leuten wird es dagegen einen massiven Kahlschlag geben, etwa 80% werden wohl gehen müssen oder schon vorher das sinkende Schiff verlassen haben.

Auch auf Lieferantenseite werden ebenfalls viele Jobs verloren gehen. Das Netz des chinesischen Mobilfunkers 3 wird durch den chinesischen Ausrüster ZTE betreut und das der französischen Orange durch den französischen Hersteller Alcatel Lucent. Wohl wird es eine Übergangsfrist geben und 3 wird die Verträge mit Alcatel Lucent erfüllen. Aber danach sind die rund 250 Jobs bei Alcatel Lucent weg.

Auch im weiteren Umfeld von Orange werden Jobs wegfallen. Viele Entwicklungen sind outgesourct, wie etwa Webbetreuung, die Entwicklung von Apps, Billingsystemen und ähnlichem. In Summe wird wohl das Verschwinden von Orange mindestens 1.500 wahrscheinlich eher an die 2.000 oder sogar mehr unmittelbare Jobs in Österreich kosten.

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