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Die Fuzo und die Veränderung der Medienwelt

 

Der Kurier kauft die Futurezone und die New York Times überlegt die Print-Ausgabe einzustellen. Werden wir bald Zeitungen nur mehr am Smartphone oder eBook-Reader lesen?

(Wien, 12.9.2010) Der Verleger der New York Times, Arthur Sulzberger Jr., stellte  bei einem Kongress in London kürzlich Überlegungen an, die gedruckte Ausgabe der Zeitung einzustellen: „Irgendwann in der Zukunft werden wir aufhören, die 'New York Times' zu drucken. Das Datum steht aber noch nicht fest", so Sulzberger.

 

Schon seit Monaten ist bekannt, dass die New York Times Company Verluste schreibt, die Umsätze brechen ein und das Online-Geschäft stagniert. Einige Gründe dafür habe ich hier beschrieben. Die Antwort der New York Times ist, ab Anfang nächsten Jahres eine relative Bezahlschranke einzuführen, bei der Leser auf eine beschränkte Menge von Artikeln pro Monat kostenlos zugreifen dürfen, aber dann zahlen müssen. Sulzberger will dabei mit Google kooperieren, damit alle Artikel gefunden werden und die NYT Teil des Web-Ecosystems bleibt. Ein „First Click Free“ in Kooperation mit Google soll dabei Teil des Modells sein.

 

Was hat nun die New York Times mit der Futurezone und dem Kurier zu tun? Sehr viel, denn die Krise, Änderungen der Lesegewohnheiten durch die technologischen Entwicklungen, der Rückgang von Werbeschaltungen und Umsätzen, sind natürlich nicht auf die USA beschränkt, sondern haben längst Europa und Österreich erreicht. Und damit ist es auch für die heimischen Medienkonzerne und deren Eigentümer Zeit zu handeln.

 

Kurier Mehrheitseigentümer Raiffeisen hat die sprichwörtlichen 3 G, die man laut Feldmarschall Montecuccoli zum Krieg führen braucht: Nämlich Geld, Geld und noch einmal Geld. Technologie ist ein Zukunftsthema und die Berichterstattung darüber klarerweise ebenso. Der Zukauf einer so renommierten Marke wie der Futurezone – liebevoll Fuzo genannt – ist daher grundsätzlich eine kluge und zukunftsweisende Entscheidung.

 

Allerdings stellt sich die Frage, ob die Community, die sich die Fuzo im Laufe der Jahre aufgebaut hat, nicht blitzschnell weg ist, wenn die Inhalte nicht mehr die Gleichen sind wie früher. Denn das Medienprodukt ist der Inhalt und der wird maßgeblich von der Redaktion bestimmt, von den Leuten, die sie zusammensuchen und schreiben. Und gerade die Fuzo hat eine Redaktion mit einem ganz spezifischen Know how. Ich bezweifle sehr stark, dass die Redakteure vom ORF zum Kurier wechseln und damit die spezifischen Inhalte der Fuzo weiter garantieren. Obwohl natürlich im Kurier sehr gute Redakteure schon heute für die Techno-Berichterstattung verantwortlich zeichnen, aber eben auch spezifische Themen covern.

 

Die Akquisition des Kurier deutet darauf hin, dass der Konzern ebenfalls verstärkt auf das Web in verschiedenen Formen setzen wird. Und für Medien mit ausreichend finanziellen Mitteln können sich durchaus interessante Geschäftsmodelle anbieten, wie wir sie teils aus dem Mobilfunk kennen. Schon im Vorjahr stellte der Silicon Alley Insider eine interessante Rechnung an: Die Kosten für die Auslieferung der NYT seien geschätzte 644 Millionen Dollar pro Jahr. Der Kindle Amazon kostete damals noch 359 Dollar, heute nur mehr 139 Dollar. Bei 830.000 loyalen Abonnenten hätte dies 297 Millionen Dollar gekostet, beim heutigen Preis sogar nur mehr 115 Millionen Dollar. Den Kindle um Null Euro an die Abonnenten herzugeben, komme also deutlich billiger, als die Zeitung zu drucken und auszuliefern. Ein typisches Modell aus dem Mobilfunk – das Smartphone um Null Euro bei Abschluss eines Vertrages für 24 Monate.

 

Dass eBook-Reader Erfolg haben werden, steht nach dem Launch des iPad und der vielen Ankündigungen von Tablets auf der IFA wohl außer Frage. Und es kommt sicherlich noch mehr nach. Ein Start up namens Kno hat sich gerade Venture Geld in Höhe von 46 Millionen Euro für das wahrscheinlich bisher mächtigste elektronische Tablet/Lesebuch gesichert, das bisher auf den Markt gekommen ist. Auf den beiden Displays kann man lesen wie in einem Buch:

 

 

 

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