(22.1.2012, 11:11) Die Film- und Musikindustrie setzt nach Schätzungen rund sieben Mal so viel Geld für Lobbying in Washington ein wie die Technologiebranche. Nun stellt sich aber auch heraus, dass man offenbar mehr oder weniger offen Abgeordnete kauft, um Gesetze wie SOPA/PIPA durchzubringen.
Wie korrupt das Verhältnis von Politikern und den Lobbyisten ist, zeigt eine Aussage von Chris Dodd im TV bei Fox News. Der frühere Senator Chris Dodd ist CEO der Moving Picture Association (MPAA). Diese agiert nach Eigendefinition als Stimme und Vertreter der US Film-, Video- und TV-Branche gegenüber der Welt.
Hier die Übersetzung seiner Aussage:
„Die auf Unterstützung aus ‚Hollywood‘ zählen, müssen verstehen, dass diese Industrie sehr sorgfältig beobachtet, wer für sie aufsteht, wenn ihre Interessen am Spiel stehen. Ersuche mich aber nicht für dich einen Scheck zu unterschreiben, wenn dein Job am Spiel steht und kümmere dich dann nicht um mich, wenn mein Job in Gefahr ist.“
Offener kann man es wohl kaum ausdrücken - ‚hey, ich hab‘ dich bezahlt, also sorge gefälligst dafür, dass SOPA Gesetz wird und ich das Internet sperren kann, wann immer ich will‘. Hier wird die Korruption völlig offen gemacht und gezeigt, was wirklich hinter SOPA/PIPA steht und wahrscheinlich auch hinter der riesigen Polizeiaktion gegen Megaupload.
Die Filmindustrie hat aber offenbar die Protestbewegung überhaupt nicht verstanden. Denn der Protest in den USA hat sich nicht nur allein gegen den Inhalt des Gesetzes gerichtet, sondern auch gegen diese völlig verkommene Art der Politik.
Kein Wunder übrigens auch, warum Urheberrechtsverletzungen auch das teuerste Strefe-/Preisverhältnis von allen arten von Diebstahl haben. Für den illegalen Download, von einem Song der 99 Cent kostet, beträgt die Strafe 150.000 Dollar. Eine alleinerziehende Mutter etwa, wurde für den Download von 24 Songs zu 1,5 Millionen Dollar Strafe verurteilt - allerdings reduzierte eine höhere Instanz das Strafmaß auf 54.000 Dollar. Auch bei uns steht das Strafmaß bei Urheberrechtsverletzungen in keinem Verhältnis zu irgendetwas.
Übrigens - als Partnerorganisation der MPAA in Deutschland wird die GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen - GVU) genannt, in Österreich der VAP (Verein für Anti-Piraterie der Film — und Videobranche) und in der Schweiz die SAFE (Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie).
via TechDirt