(18.01.2012, 12:30) Grooveshark ist schon seit Langem das schwarze Schaf unter den Musik-Streaming-Diensten, da es das Unternehmen offenbar nicht für wert empfindet, Lizenzvereinbarungen mit Labels und Verwertungsgesellschaften einzugehen. Offenbar war dies für die GEMA, der größten Verwertungsgesellschaft weltweit, nun endgültig nicht mehr tragbar, denn der Dienst ging nun für deutsche Kunden offline.
Auf der Website des Streaming-Dienstes geht Grooveshark mit der GEMA hart ins Gericht und stellt dort fest, dass der Zugriff aus Deutschland eingestellt wird, da die Betriebskosten unverhältnismäßig hoch sein. Weiters ist zu lesen: "Wir hoffen, eines Tages zurück zu kommen. Wenn Sie die Betriebskosten für Anbieter wie Grooveshark herabsetzen wollen, können Sie eine höfliche Nachricht an die GEMA zu schicken". Darunter angegeben sind die Berliner Postanschrift sowie die Telefonnummer der GEMA, was auf den ersten Blick aber alles andere als ersichtlich ist.
Grooveshark gibt also, wie zuvor bereits YouTube, der GEMA in erster Linie die Schuld, offline gehen zu müssen. Im Gegensatz zu Grooveshark, verfügte YouTube aber immerhin zumindest über Lizenzen mit Labels und hatte lediglich keine Vereinbarung mit der GEMA selbst.
Der US-Dienst Grooveshark hingegen verzichtete auf sämtliche Lizenzen für seinen Online-Dienst und war zudem, im Gegensatz zur Konkurrenz, von überall auf der Welt abrufbar. Kein Wunder also, dass das Unternehmen der Musikindustrie und den Juristen schon lange ein Dorn im Auge war.
Grooveshark verweist auf der deutschen Website zudem auf den Dienst simfy. Der Musik-Stream-Konkurrent erklärte gegenüber netzwertig.com, dass eine Partnerschaft zwischen simfy und dem Betreiberunternehmen von Grooveshark, Escype Media Group, eingegangen wurde, weshalb Grooveshark nun simfy bewirbt.
Grundsätzlich sei es auch nicht die GEMA gewesen, die in erster Linie für die Einstellung des Dienstes wegen der zu hohen Betriebskosten verantwortlich ist, sondern vielmehr waren es die großen Musikkonzerne, die sich nun dazu entscheiden haben, rigoros gegen Grooveshark vorzugehen. Im November 2011 verklagte zunächst Universal Music den Streaming-Dienst, gefolgt von Sony und Warner im Dezember. Seit etwa einer Woche geht auch das vierte Major-Label EMI gegen das Unternehmen vor. Hierbei geht es um Vertragsverletzungen, da Grooveshark zumindest mit EMI die Zahlung von Tantiemen vereinbart hatte. Dieser Verpflichtung kam das Unternehmen allerdings nie nach.
Warum das Unternehmen die GEMA, welche als die weltgrößte Verwertungsgesellschaft der Welt gilt, nun als Sündenbock darstellt, ist unklar. Die Gebühren, welche die GEMA von kostenlosen Streaming-Diensten verlangt, bewegen sich zwischen 8,2 bis 10,25 Prozent der erzielten Einnahmen, wobei pro Titel zusätzlich, je nach Vertragsart, eine Gebühr zwischen 0,02 und 0,6 Cent eingehoben wird. Die eingeforderten Lizenzgebühren werden in weiterer Folge an Autoren und Werkschaffende abgeführt. Ob es Verhandlungen zwischen Grooveshark und der GEMA gegeben hat, ist bisher noch nicht klar.