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HP-Mitarbeiter wollen Anti-Hurd als neuen CEO

 
 

Mitarbeiter als Kostenfaktor zu sehen und radikale Kürzung von Forschung und Entwicklung hätten HP sehr geschadet – meinen zumindest die Mitarbeiter und der CEO von IBM.

(Wien, 14.9.2010) Die Kritiken an Mark Hurd, Ex-CEO von HP und nun Co-President von Oracle, häufen sich und werden massiver. Und sie kommen von zwei völlig konträren Seiten: von den Mitarbeitern und von IBM CEO Sam Palmisano.

Unter den HP-Mitarbeitern macht sich offenbar eine Bewegung für einen Anti-Hurd als neuen CEO breit. Jemand, der bereit ist auf Mitarbeiter zu hören und Fakten zu akzeptieren. Jemand, der wieder in Innovation investiert. Jemand, der nicht vor der Wall Street und dem Aktienkurs am Bauch liegt.

Auf der Website Glasdoor.com zeigen sich die Mitarbeiter unzufrieden und klagen über die „Kommando- und Kontroll-Kultur“, die Hurd zurückgelassen hat.

Die Hauptvorwürfe, der Belegschaft sind:

·         HPs einziger Fokus unter Hurd sei gewesen, die Kosten zu reduzieren. Das sei zwar für kurzfristig denkende Investoren super, war und ist aber desaströs für die Loyalität der Mitarbeiter.

·         Der Fokus von Hurd war einzig auf dem laufenden Quartal, was das langfristig für das Unternehmen bedeutet, sei ihm egal gewesen.

·         Er hätte nicht auf Mitarbeiter gehört, Vorschläge seien ihm egal gewesen, nichts davon sei realisiert worden.

·         Mitarbeiter seien nur als Kostenfaktor und nicht als Asset behandelt worden.

·         Er hätte nie realisiert, wie großartig HP sein könnte, wenn die Mitarbeiter motiviert sind. Statt dessen hätte er nur an ständige Reduzierungen und erhöhte Arbeitsbelastung geglaubt.

Leistung zu verlangen ohne Gegenleistung anzubieten, macht HP übrigens nicht nur gegenüber den Mitarbeitern. Auch von den Medien wird Coverage eingefordert, ohne dass das Biotop mit entsprechenden Gegenleistungen gepflegt wird.

Ich kann mich noch gut an einen früheren CEO von HP erinnern, nämlich an Lew Platt, der von 1993 bis 1999 CEO von HP war, und der bei einem Breakfast Briefing im Wiener Hotel Bristol vom Stakeholder Value sprach, dem HP verpflichtet sei. Und zu den Stakeholdern zählte er zuerst die Mitarbeiter, dann die Kunden, dann die Gesellschaft und erst zum Schluss die Aktionäre. Welch ein Unterschied!

Aber auch von Industrie-Schwergewichten wie IBM-Boss Sam Palmisano kommt in einem Interview mit dem Wall Street Journal recht heftige Kritik. Er sagt zum Beispiel, dass HP viel zu viel für die Akquisition von 3PAR gezahlt habe, aber Hurd hätte keine andere Chance gehabt, da er „Research und Development völlig abgebaut habe“. Er sagte weiter, dass „HP ein sehr innovatives Unternehmen gewesen sei“, aber eben jetzt nicht mehr nach dem Verlust von R&D. Allerdings sieht Palmisano in Oracle, wo Hurd jetzt tätig ist, den größten Konkurrenten, den „Larry Ellison investiert“ und „hat einen sehr guten Job gemacht“.

Die kurzfristige Orientierung auf das jeweils nächste Quartal mit radikalen Einschnitten beim Personal und drastischen Senkungen der Marketingbudgets funktionieren aber ohnehin nur bei den ganz großen Konzernen. Zwar werden sie von Analysten und Investoren umjubelt, für die über das nächste Quartal hinausreichende Perspektive des Unternehmens haben sie aber meist desaströse Folgen.

Traurig, dass diese Art der Unternehmensführung auch zunehmend europäische Konzerne erfasst. Im asiatischen Raum denkt man da ganz anders und viel langfristiger, wohl mit ein Grund für den rasanten Aufstieg asiatischer Unternehmen.

 

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