Mit der umstrittenen Leerkassettenvergütung auf Festplatten sollen erneut überholte Geschäftsmodelle der Verwertungsindustrie einzementiert werden. Und sie bremst innovative Angebote im Internet, sagt die ISPA.
(8.10.2010, 12:05) Die ISPA bezeichnet die Ausdehnung der Leerkassettenvergütung ist modernes Raubrittertum. "Die Leerkassettenvergütung auf Festplatten ist ein weiterer Versuch der Verwertungsindustrie, wirtschaftliche Löcher veralteter Geschäftsmodelle mittels Raubrittermethoden zu stopfen.", kommentiert ISPA Generalsekretär Andreas Wildberger die von der Verwertungsgesellschaft Austro Mechana eingeführte Festplattenabgabe. Die umstrittene Regelung, die mit 1. Oktober in Kraft getreten ist, sieht vor, dass beim Kauf einer Festplatte eine nicht unerhebliche Urheberrechtsgebühr eingehoben wird.
Gebühr hemmt innovative Internet-Dienste
Für die Kunden von Internet Service Providern, die multimediale Inhalte legal online beziehen, ist diese Gebühr eine hohe, zusätzliche
finanzielle Belastung. "Es ist absolut nicht nachvollziehbar, warum eindeutig multifunktionale Geräte nun schon wieder als Geldbringer herangezogen werden.", konkretisiert der ISPA Generalsekretär Wildberger seine Kritik an der Festplattenabgabe. Denn um multimediale Inhalte online anbieten zu können, müssen Content-Anbieter Abgaben für das mechanische Vervielfältigungsrecht an die Austro Mechana zahlen.
"Dass Konsumenten zwar zur Kasse gebeten werden, dadurch aber urheberrechtlich geschützte Werke keineswegs automatisch abgegolten und legalisiert sind, ist ein weiteres Problem.", so der ISPA Generalsekretär. Die zunehmenden Streaming-Angebote ohne Datenspeicherung auf Festplatten lassen die Abgabe zusätzlich in schiefem Licht erscheinen. Mittel- bis längerfristig würden es sich Konsumenten zweimal überlegen, online Bezahlinhalte bei Content-Anbietern zu beziehen, wenn sie über die Urheberrechtsabgabe auf Festplatten bereits Gebühren an Verwerter gezahlt haben.
ISPA Forderung: Das Urheberrecht "Internet-fit" machen
"Auf der einen Seite werden mehr legale Medien-Angebote über das Internet gefordert, auf der anderen Seite versuchen Verwertungsgesellschaften dies durch ständig neue Stolpersteine zu verhindern. Diese Hindernisse müssen aus dem Weg geräumt, nicht vermehrt werden", fordert Wildberger. Dazu sei jedoch eine Reform des Urheberrechts notwendig, welche die technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die das Internet mit sich bringt, wesentlich stärker berücksichtigt.
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