IT-Branche treibt 2012 die wirtschaftliche Entwicklung in CEE Raum

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IT-Branche treibt 2012 die wirtschaftliche Entwicklung in CEE Raum

 

Der IT-Bereich wird in den CEE-Ländern mittel- bis langfristig ca. doppelt so schnell wachsen wie das BIP, wobei der Kohäsionsfonds der EU öffentliche IT-Projekte ankurbeln wird, so die Erste Bank in einer Analyse.

 

(14.12.2011, 11:30) Die IT-Markterwartungen für 2011 und 2012 wurden etwas nachjustiert. Grund waren die in letzter Zeit zunehmenden Ängste vor dem Überschwappen der Schuldenproblematik von Westeuropa auf die CEE-Länder. Analysten der Erste Group zufolge sind jedoch bislang kaum Veränderungen bei den Ausgaben im IT-Bereich zu erkennen. Dies spiegelt sich in einer prognostizierten soliden Erhöhung der IT-Ausgaben 2012 wider. Vor allem Länder wie Polen (+7,8 %), Rumänien (+12,7 %), Bulgarien (+15,0 %) und Kroatien (+10,1 %) werden dabei die Gesamtwachstumsraten tragen.

„Grundsätzlich wird erwartet, dass die Zunahme der IT-Ausgaben in den CEE-Ländern in den kommenden Jahren ungefähr doppelt so hoch sein wird wie deren BIP-Wachstum. Durch diese Entwicklung werden sie gegenüber den vergleichbaren westlichen Ländern aufholen. Es zeigt sich, dass der Konvergenzprozess der EU in den meisten Fällen noch Jahre dauern wird, und dass sich die IT-Nachfrage in der Region in der Folge intensivieren wird. Der Kohäsionsfonds stellt der EU Mittel zur Verfügung, die sowohl für öffentliche IT-Projekte als auch für unternehmensspezifische IT-Investitionen verwendet werden“, so Daniel Lion, CEE Technology Analyst bei Erste Group Research und Autor des Berichts.

„Wir müssen zwischen den Wachstumstreibern des IT-Sektors in CEE differenzieren – nämlich den fundamentalen Treibern auf der einen und den trendbezogenen Treibern auf der anderen Seite. Die Konvergenz als wichtigster Fundamentaltreiber wird dazu beitragen, dass die Unternehmen in CEE und der öffentliche Sektor ihre IT-Ausgaben schrittweise erhöhen werden. Diese Investitionen werden durch die von der EU bereitgestellten Mittel vorangetrieben werden. Zu den trendbasierten Wachstumstreibern zählen Cloud Computing und die Notwendigkeit von Effizienzsteigerungen und der Erhöhung der betrieblichen und strategischen Exzellenz. Die exponentielle Erhöhung der Datenmengen kurbelt die Nachfrage nach schnelleren mobilen Kommunikationsnetzen an. Allgemein starke Bilanzen (niedrige Schulden/überschüssige Liquidität) und die Notwendigkeit, die Marktposition in einer sich schnell verändernden, technologisch dynamischen Umgebung zu verbessern, werden die M&A-Aktivitäten vorantreiben“, fügt Lion hinzu.

Als Gegenpol zum wichtigsten Fundamentaltreiber – dem Konvergenzprozess der EU – haben sich verschiedene Markttrends entwickelt, die das IT-Wachstum auch in einer negativen Umgebung unterstützen werden. Mobilisierung und Flexibilität sind Triebfedern dieser Trends und gehen Hand in Hand  mit niedrigeren Kosten und erhöhter Flexibilität.

Cloud Computing wird in CEE besonders attraktiv für KMU und Start-Ups

Die grundsätzliche Idee hinter Cloud Computing besteht darin, IT-Dienste (z.B. Software, Geschäftsplattformen, Server-Speicherkapazitäten etc.) nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn man sie tatsächlich benötigt, anstatt Lizenzen und Infrastruktur (Hardware) zu erwerben, die Vorinvestitionen erfordern. Während die Vorteile von Cloud Computing in Form von Kostenoptimierung und einem schonenden Ressourceneinsatz auf der Hand liegen, erfordert das Konzept auch erhöhte Flexibilität und Mobilität.

Die Vorteile von Cloud Computing sind angesichts der Tatsache, dass die Initialkosten (CAPEX) wegfallen, besonders für  kleine und mittelständische Unternehmen sowie Start-Ups attraktiv. Außerdem bietet Pay-per-use Zugang zu Lösungen, die im Rahmen eines Lizenzvertrags kaum nachgefragt werden, aber durch das neue Konzept aus Kostensicht attraktiver werden. Zudem können die Kosten für IT-Personal signifikant gesenkt werden. Da KMU das wirtschaftliche Rückgrat der Region Zentral- und Osteuropa bilden, werden die Akzeptanzraten für Cloud Services in CEE voraussichtlich hoch sein.

 

Mobilkommunikationsnetze werden sich zwingend dynamisch entwickeln 

Die Erweiterung der Mobilkommunikationsnetze geht Hand in Hand mit dem Wachstum von Smartphones, Tablets und internetbasierten Anwendungen wie Cloud Computing, Machine-to-machine-Kommunikation, Video-Streaming oder Daten- und Sprachkommunikation. Der kürzlich veröffentlichte Bericht über den mobilen Datenverkehr zeigte, dass die globale Mobilfunkdurchdringung bei 82% (oder 5,8 Milliarden Benutzern) liegt. Dabei beginnt das zu erwartende exponentielle Wachstum von mobilen Datenvolumen erst. Während die mobil übertragenen Daten das Sprachdatenvolumen im 4. Quartal 2009 erstmals überflügelt haben, war ihr Volumen im 1. Quartal 2011 bereits doppelt so groß wie das Sprachdatenvolumen. Von allen im 3. Quartal 2011 verkauften Mobiltelefonen waren 26% Smartphones, aber nur 10% der sogenannten Installed Base (d.h. der Gesamtzahl der bereits in Verwendung befindlichen Smartphones). Das lässt eine beträchtliche Verstärkung dieses Trends erwarten.

Effizienzsteigerung und Erhöhung der betrieblichen und strategischen Exzellenz

Hinter diesem Wachstumstreiber steht das Ziel, Anwendungen zu integrieren, die eine höhere Effizienz unterstützen und gleichzeitig die Kosten senken. Ein weiterer Aspekt dieses Wachstumstreibers besteht darin, Managementinformationssysteme zu implementieren, die sowohl die operativen als auch die strategischen Entscheidungen verbessern. Dies ist in einer herausfordernden Umgebung von entscheidender Bedeutung. In diesem Zusammenhang zielt z.B. die Implementierung einer serviceorientierten Architektur (SOA) auf die Optimierung der IT-Landschaft der Unternehmen. Die Straffung der verfügbaren Anwendungen durch die Nutzung der gesamten durch verschiedene Quellen erfassten Informationen trägt dazu bei, Redundanzen zu verringern und die Effizienz bei sinkenden Kosten zu erhöhen. Während der SOA-Ansatz auf On-Premise-Systeme (d.h. auf Hardware und Software, die vom Unternehmen selbst betrieben und verwendet wird) zielt, ist Cloud Computing ein Ansatz, der zusätzliche Funktionen für eine weitergehende Optimierung zur Verfügung stellt.

Die EU fördert öffentliche IT-Projekte

Das aktuelle Programm des Kohäsionsfonds mit einem Nettovolumen von 308 Milliarden EUR ist für die Jahre 2007-2013 ausgelegt. Polen ist mit einem Gesamtfördervolumen von 65 Milliarden EUR netto und ca. 1 Milliarde EUR (4,4 Milliarden PLN) IT-spezifischer Mittel der größte Empfänger. Ab 2014 wird voraussichtlich ein neues Programm Kohäsionsfondsprogramm aufgelegt werden, das jedoch angesichts der aktuellen politischen Turbulenzen mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist.

Das öffentliche Beschaffungswesen in der Tschechischen Republik, das ca. 150 Milliarden CZK (6 Milliarden EUR) an EU-Mitteln für den IT-Bereich erhält, nimmt laufend Kofinanzierungen in Anspruch, von denen EU-Mittel bereits >10 % des Gesamtwerts ausmachen. Währenddessen wurden die slowakischen Projekte, die im Rahmen des Finanzierungsprogramms eingereicht werden sollten, aufgrund des Sturzes der Regierung ausgesetzt. In der Slowakei wurde eine Liste von Ausschreibungen erstellt, die sich nun bis zum Amtsantritt der neuen Regierung (möglicherweise März 2012) im besten Fall nur verzögern werden. Rumänien erhielt 252 Millionen EUR für IKT-Projekte, während Kroatien für den Zeitraum 2007-2011 Zugang zu 750 Millionen für allgemeine von der EU finanzierte Investitionen gewährt wurde. Auch andere SEE-Länder erhalten EU-Finanzmittel als Heranführungshilfe (z.B.: Serbien ~ 200 Millionen EUR p.a.; Montenegro ~ 35 Millionen EUR; Kosovo ~ 70 Millionen EUR).

Niedrige Schulden/Liquiditätsüberschüsse werden M&A-Aktivitäten ankurbeln

Angesichts des hoch fragmentierten IT-Markts in CEE werden die M&A-Aktivitäten voraussichtlich weiter zunehmen. Allgemein ist festzustellen, dass die Akquisitionsziele infolge der jüngsten Entwicklungen und Ankündigungen kleine Unternehmen sind, die hauptsächlich skalierbare Lösungen/Produkte anbieten (Cloud Computing). Auf der Liste der üblichen potenziellen Käufer stehen IT-Unternehmen wie SAP, Oracle, HP, Google, Software AG, IBM, während die Asseco Poland Group momentan als einer der dominantesten Marktkonsolidierer in der CEE-Region auftritt.

 

Die Empfehlungen der Analysten der Erste Group und Zielpreise im Überblick

 

        Wir haben Asseco Poland von Buy auf Hold heruntergestuft, da wir davon überzeugt sind, dass die Aktie solange unterbewertet bleiben wird, als keine Initiativen für die Entwicklung eines globalen Fokus innerhalb der Gruppe gesetzt werden. Wir haben unser Kursziel von 73,8 PLN auf 52,5 PLN gesenkt.

 

        Der Aktienkurs von ComArch hat im vergangenen Jahr signifikant verloren, zumal der zuvor angekündigte Break-even von ComArch SuB bei weitem nicht erreicht wurde. Nach einer weiteren Kostensenkungsinitiative bei der deutschen Tochter im Jahr 2011 sind die Chancen für die Erreichung des Break-even 2012, der zu einer sofortigen Verdoppelung des EBIT führen würde, günstig. Angesichts dieses starken Hebels und des praktischen Fehlens von Negativrisiken stufen wir die Aktie von Hold auf Accumulate hinauf. Unser reduziertes Kursziel beträgt 60,0 PLN gegenüber 100,2 PLN.

 

        Sygnity ist ähnlich wie ComArch als Option zu betrachten, die großen Gewinn abwerfen kann, wenn die Guidance hält. Nach einem fünfjährigen Restrukturierungs- und Straffungsprogramm muss Sygnity den Umsatz steigern, damit der Operating Leverage wirken und das Unternehmen wieder profitabel werden kann. Aufgrund mangelnder Informationen über die neu eingeführte Strategie geben wir beim derzeitigen Kursniveau eine Hold-Empfehlung ab. Wir haben unser Kursziel von 13,2 PLN auf 18,7 PLN erhöht.

 

        Ericsson Nikola Tesla verzeichnete insbesondere im Inlandsmarkt und in CIS einen schrittweisen Rückgang der Ausgaben für Kommunikationsnetzwerke. Da die Region Investitionen in Mobilnetze der nächsten Generation (LTE=4G) beabsichtigt, gehen wir davon aus, dass die Talsohle bei den Ausgaben demnächst erreicht sein wird. Unsere Hold-Empfehlung basiert darauf, dass wir nicht wissen, wann die Ausgaben wieder anziehen werden. Wir haben unser Kursziel von 1.545 HRK auf 1.176 HRK gesenkt.

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