(Wien, 4.5.2010) Seit Hannes Ametsreiter Chef der Telekom Austria Gruppe ist, hat der Ausbau des auf Leitungen basierten Breitbandes stark an Bedeutung gewonnen. In Wien wird in zwei Bezirken, nämlich im 15. und im 19. massiv Glasfaser verlegt, offenbar in enger Kooperation mit der Stadt. Denn „Wien hat eine IKT-Strategie für den Wirtschaftsstandort, die wir noch vor dem Sommer präsentieren werden“, sagt Barbara Novak, Abgeordnete zum Wiener Landtag und IKT-Sprecherin der SPÖ.
In dem am 3. Mai in der Industriellenvereinigung vorgestellten Buch „Telekommunikation V – Changing The World“, in dem auch Beiträge von Cisco-CEO Achim Kaspar und Fujitsu-CEO Wolfgang Horak zu finden sind, beginnt Novak ihr Kapitel mit der Feststellung: „Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und die daraus entstandene Internetstruktur ist in ihrer Bedeutung für die heutige und zukünftige Gesellschaft gar nicht mehr quantifizierbar.“
Erfolgsfaktoren für Wien
Novak arbeitet im Folgenden die Bedeutung der IKT für Wien sehr klar heraus: „IKT ist heute ein herausragender Treiber für Innovationen in Wirtschaft sowie Industrie. Beispielsweise basieren ca. 80 Prozent aller Innovationen eines Autos auf Neuerungen aus dem IT-Bereich. Auch Zukunftstechnologien wie Nano- und Biotechnologie, Medizintechnik, Automatisierungstechnik und Verkehrstechnologie benötigen Innovationen aus dem IT-Bereich. Die Stadt Wien hat sich in den letzten Jahren zum zentralen IT-Standort Europas entwickelt: Eine Studie der Stadt Wien belegt, dass heute 5300 Unternehmen aus der IKT-Branche mit insgesamt 64.000 Beschäftigten einen Umsatz von fast 20 Mrd. Euro in Wien erwirtschaften. Durch Vorteile, wie der zentralen Lage Wiens innerhalb Europas, der hohen Lebensqualität und exzellenter Flugverbindungen ist die Stadt Ausgangspunkt zahlreicher nationaler und internationaler Firmen für eine Expansion nach Osteuropa.“
Diese Fakten haben dazu geführt, dass die IKT-Branche sowohl was Wertschöpfung als auch Beschäftigtenzahlen betrifft, eine führende Rolle übernommen hat: „Im Raum Wien lassen sich zehn Prozent der Beschäftigung und der wirtschaftlichen Erlöse und 15 Prozent der Bruttowertschöpfung auf den IKT-Sektor zurückführen. Damit ist die Wertschöpfung um ein Mehrfaches höher als jene im Tourismus, die Erträge übertreffen jene in der Wiener Fremdenverkehrsbranche sogar um den Faktor zehn.“
Faktor Infrastruktur
Die Entfaltung der IKT ist seit Mitte der 90er Jahre untrennbar mit dem Internet und Breitband verbunden. Folgerichtig konstatiert die IKT-Sprecherin der SPÖ: „Die Verfügbarkeit von breitbandigen Kommunikationsnetzen hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Schlüsselkriterium bei der Bewertung eines Wirtschaftsstandortes kristallisiert. Besonders Infrastrukturnetze mit hoher Bandbreite, deren Bedarf auch in den nächsten Jahren rasant wächst, stellen einen hohen volkswirtschaftlichen Wert dar.“ Und sie zieht die Konsequenz und begreift die Schaffung der entsprechenden Infrastruktur durchaus auch als öffentliche Aufgabe: „Es geht nach Abwägung aller Fakten kein Weg an einem Glasfasernetz für Wien vorbei. Zahlreiche Initiativen der Vergangenheit und der Gegenwart forcieren den Ausbau von Glasfasernetzen und stellen im selben Augenblick fest, dass aufgrund des hohen Investitionsvolumens und rechtlicher als auch regulatorischer Rahmenbedingungen, die teilweise noch nicht einschätzbar sind, die Motivation zur Schaffung von flächendeckenden Netzen bei ausschließlich privaten Investoren eher gering ist. Es muss daher gelingen, Modelle zu erarbeiten, die einen Netzausbau als partnerschaftliche Konstruktion zwischen öffentlichen Infrastrukturunternehmen und privatwirtschaftlich orientierten IKT-Unternehmen vorsehen.“
Aktiver Ausbau
Telekom Austria hat Mitte des vorigen Jahres einen forcierten Ausbau der Telekom Infrastruktur angekündigt. Bis 2013 werden eine Mrd. Euro in die Modernisierung des Festnetzes und 0,5 Mrd. Euro in die Modernisierung des Mobilfunknetzes investiert. Das Ziel ist 900.000 Haushalte in diesem Zeitraum an das superschnelle GigaNetz anzuschließen. Anfang des Vorjahres hat die TA in Wien die Firma Cablerunner übernommen, deren Aktivum 500 Kilometer Glasnetz in den Wiener
Kanälen war. Das bei weitem größte Glasnetz mit mittlerweile mehr als 2000 Kilometern ist Blizznet, das sich im Besitz der Wienstrom GmbH befindet. Blizznet hat Partnerschaften mit der TA, Tele2 und einer Reihe von kleineren Unternehmen.
Faktor Contententwicklung
Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob ein Hochleistungsnetz, wie es mit Glas realisierbar ist, überhaupt benötigt wird. Experten gehen aber davon aus, dass vorhandene Kapazitäten aber sehr wohl genutzt werden und Content für die Bandbreite entwickelt wird. Barbara Novak bringt ein Beispiel aus Wien: „Als historisches Beispiel sei hier das 1997, also inzwischen schon vor über einem Jahrzehnt, gebaute Wiener Bildungsnetz erwähnt. Damals entschied sich die Stadt Wien, alle Wiener Pflichtschulen und Berufsschulen an ein Glasfasernetz anzuschließen und mit leistungsfähigen Endgeräten auszustatten.“
In der Zwischenzeit gibt es einen eigenen Wiener Bildungsserver, der Europas größte pädagogisch betreute Internetseite enthält. Jedes Jahr gehen aus dem Wiener Bildungsnetz neue innovative Anwendungen im Bereich e-learning, edutainment und game based learning hervor.
Und Barbara Novak denkt weiter: „Es braucht daher für eine erfolgreiche IKT-Standortpolitik das Bekenntnis zur Förderung und Produktion von breitbandintensiven Anwendungen, die auch eine hohe Nutzungsdichte aufweisen. Dazu gibt es in Wien einige Instrumente, wie etwa das Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT), das erst vor kurzem einen neuen Breitband-Award ins Leben gerufen hat um so auch die geschaffenen innovativen Anwendungen und Inhalte ihrer Bedeutung entsprechend auszuzeichnen und ins Rampenlicht zu holen.“
Der eben abgelaufene Call Media Vienna 2010 im Volumen von einer Million Euro richtete sich an Wiener Kleine und Mittlere Unternehmen sowie Unternehmensgründer, die Produkt- , Dienstleistungs- oder Verfahrensinnovationen in den Bereichen Bewegtbild, Mobiles Internet und/oder Games entwickeln und diese wirtschaftlich verwerten wollen.
Die Schlussfolgerungen
Und Barbara Novak stellt zusammenfassend fest: „Eine erfolgreiche IKT-Standortpolitik muss vor allem eine goldene Regel beachten: Sie muss sowohl dem Netzinfrastrukturausbau als auch der Förderung und Schaffung von innovativen Inhalten bzw. Anwendungen sowie der Ausbildung für den Arbeitsmarkt und der medienpädagogischen Schulung der Bevölkerung im gleichen Sinne Augenmerk und finanzielles Engagement entgegenbringen und darauf achten, dass alle der drei Bereiche auch eine dementsprechende Lobby hinter sich wissen.“