(Wien, 16.2.2009) UPC baut sein Kabelnetz bis Mitte des Jahres auf 100 Mbit/sec aus - das ist das Vierfache dessen, was mit ADSL2plus erreichbar ist. In den klassischen Telekomnetzen, wie sie die Telekom Austria oder Tele2 benutzen, sind höhere Geschwindigkeiten nur durch die Verlegung von Glasfaser erreichbar. Doch die Telekom Austria hat als einziger Incumbent (so werden die aus den PTTs hervorgegangenen Telekomunternhemen genannt) noch keine fixierten Pläne. Auf Anfrage der Telekom Presse, teilte Unternehmenssprecher Martin Bredl mit: "Wir wollen unsere Breitbandstrategie auf Grund der intensiven Wettbewerbssituation nicht veröffentlichen. Alle Fragen zum Netzausbau und neuen Produkten können wir nicht beantworten."
Für Karim Taga, Managing Director des Beraters Arthur D. Little (ADL) und anerkannter Telekom-Spezialist, ist die Situation klar: "Die TA muss in Glasnetze investieren, sonst ist sie ein Übernahmekandidat. Und für Österreich ist es wichtig, dass sie das tut, denn in allen anderen Ländern wird daran gearbeitet. Wenn bei uns das Glasfasernetz nicht ausgebaut wird, haben wir einen klaren Standortnachteil." ADL empfiehlt derzeit Mobilfunkern, die auf der Suche nach einem Standbein im Festnetz sind, den Erwerb von Kabelfirmen. "Tele2 ist unattraktiv, da sie bei der Bandbreite nicht mit Kabelfirmen mithalten können, bei Kabel ist hingegen eine hohe Nachhaltigkeit gegeben", sagt Karim Taga.
Unterschiedliche Kosten
Der Ausbau eines Kabelnetzes auf eine Bandbreite von 100 Mbit/sec ist wesentlich günstiger und rascher zu bewerkstelligen als die Aufrüstung eines klassischen Telefonnetzes. UPC veranschlagt dafür Kosten in Höhe von etwa 100 Millionen Euro und deckt damit 1,1 Millionen Haushalte in Österreich ab. Die Deutsche Telekom veranschlagt für 10 Millionen Haushalte 2,5 Milliarden Euro über einen Zeitraum von vier Jahren. In Ungarn will die Magyar Telekom bis Ende des Jahres 380.000 Haushalte über das Kabelnetz sowie 200.000 Haushalte mit Glasfaser mit Breitband Internet von 100 Mbit/sec versorgen. Bis Ende 2013 soll die Zahl der Glasfaseranschlüsse auf 780.000 erhöht werden.
In den Kabelnetzen ist die verwendete Technologie Docsis 3.0, die im Downstream bis zu 200 Mbit/sec und im Upstream bis zu 100 Mbit/sec ermöglicht. Die Kosten pro Haushalt betragen weniger als 100 Euro. Im Telefonnetz werden zwei Strategien angewendet: Entweder man verlegt Glasfaser bis direkt in die Haushalte (FTTH - Fibre To The Home) - mit Kosten um die 1000 Euro pro Haushalt die teure Variante. Oder man wendet eine Kombination von Glasfaser (FTTC - Fibre To The Curb) und VDSL (bis zu maximal 800 Metern über die existierende Kupferleitung) an. Die Kosten dafür betragen im Beispiel der Deutschen Telekom etwa 250 Euro pro Haushalt.
Regulatorische Probleme
Ein weiterer Vorteil für die Kabelnetzbetreiber ist, dass bisher keiner Regulierung unterliegen. Die Verwendung eines Kabelnetzes durch Drittanbieter ist technologisch zudem weit schwieriger und daher teurer. In Österreich erreichen sie insgesamt etwa 1,8 Millionen oder 52 Prozent der Haushalte, angeschlossen sind etwa 590.000. Davon entfallen auf UPC 1,1 Millionen erreichbare und 431.000 angeschlossene Haushalte.
Die Telekom Austria unterliegt hingegen der Regulierung, obwohl sie in Wien sogar weniger Anschlüsse als die UPC hat. International gibt es bei der Regulierung von Glasnetzen unterschiedliche Ansätze. In Deutschland wurden sie für zwei Jahre aus der Regulierung ausgenommen. KPN in Holland verlegt Glas über ein Joint Venture namens Reggefiber, an der KPN 41 Prozent hält. Die Preise für Telekomanbieter werden von Reggefiber selbst festgelegt und sind höher als, die die der Regulator für die KPN errechnet und festgelegt hat. Heuer sollen noch etwa 800.000 von insgesamt sechs Millionen Haushalten angeschlossen werden.
Über die Pläne des österreichischen Regulators hat die Telekom Presse bereits berichtet.
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