(20.06.2012, 10:15) Wikileaks-Gründer Julian Assange ist im Kampf gegen seine Auslieferung nach Schweden in die Botschaft des südamerikanischen Landes in London geflohen und hat dort Asyl in Ecuador beantragt. Ecuador werde die Anfrage prüfen, sagte Außenminister Ricardo Patiño in der Hauptstadt Quito. BBC berichtete, dass sich Assange derzeit in der Londoner Botschaft Ecuadors aufhalte.
Der 40 Jahre alte Australier, der seit einem Jahr unter strengen Auflagen in Großbritannien lebt, wartet dort auf seine Auslieferung nach Schweden. Dort wird ihm vorgeworfen, mit zwei Frauen ohne deren Einwilligung ungeschützten Sex gehabt zu haben. Assange bestreitet dies und ist der Meinung, die Vorwürfe seien politisch motiviert.
Assange ist Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks. Die Whistleblower-Plattform hat 2010 rund 250.000 geheime Mitteilungen, die aus US-Botschaften erbeutet wurden, öffentlich gemacht. Auch zahlreiche Informationen des US-Verteidigungsministeriums zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan wurden auf der Plattform für die Masse zugänglich gemacht.
Zuletzt wurde bekannt, dass die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten aufgrund von Geldproblemen bis auf weiteres ausgesetzt wird. Knapp 95 Prozent der Spenden an WikiLeaks seien blockiert worden, wofür Assange die Bank of America, Paypal, Visa und Mastercard verantwortlich machte.
Assanges schwedischer Anwalt ist über den Versuch, die Auslieferung an die Justiz in dem skandinavischen Land in letzter Minute zu verhindern, überrascht. Im Rundfunksender SR sagte der schwedische Anwalt von Assange, Thomas Olsson, am Mittwoch, er sei "total überrascht". Weitere Kommentare könne er erst abgeben, wenn er über "ausreichend Informationen" verfüge.
Die Staatsanwaltschaft in Göteborg hatte 2010 einen internationalen Haftbefehl gegen Assange ausgeschrieben, der ihn zu einem Verhör über die Vorwürfe der Frauen nach Schweden zwingen soll. Die zuständige Staatsanwältin Marianne Ny wollte den Asylantrag von Assange nicht kommentieren.
Der Australier war vor fünf Tagen mit einem Widerspruch gegen seine Auslieferung nach Schweden gescheitert. Der Oberste Gerichtshof in London entschied, dass die Zehn-Tages-Auslieferungsfrist am 28. Juni beginnt. Danach kommt es zur Abschiebung.
Mit dem Antrag auf politisches Asyl könnte die Auslieferung aufgeschoben werden, ob sie damit aber abgewendet werden kann, ist fraglich. Als letztes rechtliches Mittel bleibt Assange noch die Möglichkeit, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen.
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