(San Francisco, 19.9.2010) Larry Ellison ist immer für eine Überraschung gut. Wer erwartet hatte, dass Software oder Industriepolitik im Mittelpunkt der Keynote des Oracle CEO und Segelfanatikers stehen würde, sah sich enttäuscht. Zuerst holte er seine erfolgreiche Crew auf die Bühne, die ihm den Sieg im 33sten Americas Cup ersegelt hatte. Leider konnte der Hightech-Katamaran nicht vor Ort gezeigt werden, da das Segel zu hoch ist um unter der Golden Gate durchzugehen.
Cloud Computing nach der Art von Oracle
Die Ankündigung des Abends war dann dier Exalogic Elastic Compute Cloud, ein Server, der auf Standards basiert, Hardware und Software umfasst, virtualisert und elastisch ist und praktisch alle Applikationen laufen lassen kann. Und nur ein Viertel von dem kostet, wie der leistungsfähigste Server von IBM, aber natürlich mit der mehr als doppelten Performance. Oder wie Ellison sagte: „Wenn du schneller unterwegs sein willst, dann musst darauf gefasst sein, weniger zu zahlen.“
Aber der Vergleich mit IBM entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Denn IBM erreichte mit seiner S360 in den 60ern Marktbeherrschung durch die ganz enge Integration von Hard- und Software, die gemeinsam verkauft wurden. Erst als die US-Kartellbehörde diese enge Integration verbot und IBM dazu zwang Hardware und Software zu entbündeln und separat zu verkaufen, konnte die unabhängige Softwareindustrie entstehen. Das war die Voraussetzung für die Geburt von Oracle und anderen.
Durch die Akquisition von Sun ist nun Oracle in der Lage wieder die Software – in dem Fall die Betriebssysteme Solaris und Linux, sowie die Middleware und die Datenbanken - exakt aufeinander abzustimmen und zu optimieren. Und Ellison war sichtlich begeistert vom Ergebnis. Immer wieder erklärte er, dass er dieses zu technische Slide nicht zeigen sollte. Wie etwa die Infiniband Links mit 40 Gigabit pro Sekunde, die 30 Server mit je 6 Prozessoren in der Exalogic miteinander und den 40 Terabyte Speicher verbinden.
Beeindruckende Performance
Jedenfalls ist die Performance des Systems beeindruckend. Es kann über eine Million http-Anforderungen pro Sekunde abarbeiten – das ist eine Verbesserung um den Faktor 12 gegenüber bisher existierenden Systemen. Von den Exalogic Servern können bis zu 8 zusammengeschaltet werden – aber schon zwei davon würden ausreichen, um die 500 Millionen Facebook User verzögerungsfrei zu bedienen.
Auch die Messaging Performance kann sich sehen lassen – sie erreicht den Faktor 4,5 gegenüber bisherigen Systemen und kann 1,8 Millionen Anfragen pro Sekunde abarbeiten. Eine einzige Maschine reicht damit aus, alle Ticketing Anfragen der chinesischen Eisenbahn abzuarbeiten. Morgen stellt Mark Hurd, nun President von Oracle und bis vor kurzem noch CEO von HP, eine weitere Maschine vor, die für Online Transaction Processing (OLTP) optimiert wurde.
Ellison versprach auch weniger Bugs und einfachere Wartung. Es gibt nämlich nur eine Konfiguration, die zu kaufen ist. Bestehend eben aus Hardware, Betriebssystem Solaris und Linux, sowie Middleware. Genauso, wie bei der guten alten IBM 360. Und Ellison verspricht deshalb, dass es weniger Bugs geben wird und dass man diese rascher entdecken und beheben würde. Denn wenn es einen Bug gibt, dann gibt es den in allen Maschinen, und wenn er einmal auftritt und erkannt wird, dann wird eben sofort für alle Server gleichzeitig behoben.
The Unbreakable Enterprise Kernel
Oracle hat sich bei Linux der Red Hat Distribution verschrieben – und will die auch auf längere Sicht zur Verfügung stellen. Aber man ist unzufrieden mit der Geschwindigkeit der Auslieferung, von Bug fixes und Modernisierung. „Der Kernel bei Red Hat ist vier Jahre zurück“, so Ellison. Deshalb bringt jetzt Oracle auch den Unbreakable Enterprise Kernel heraus, der um das 2 – 5fache schneller sein soll als Red Hat.
Eines war deutlich zu spüren: Larry Ellison ist total begeistert von seinem kombiniertem Soft- und Hardware-Angebot. Oracle hat 370.000 Kunden weltweit, Sun hatte 35.000. Da gibt es noch ordentlich Potenzial Hardware zu verkaufen, wenn das Angebot gut ist – und das scheint es wohl zu sein.
Weitere Ankündigungen
Ellison gab einen Überblick, was in den nächsten Tagen noch folgen wird. So soll es Cloud Services geben. So ziemlich alle Applikationen von Oracle werden wohl über die Public Cloud erhältlich sein. Auch bei Java wird es einige Innvovationen geben, wie Vector Graphik.
Eine extra Keynote am Mittwoch von Ellison wird sich noch dem Thema Fusion Software widmen. Oracle hat ja bekanntlich im Laufe der Jahre Siebel, JD Edwards und Peoplesoft gekauft und selbst ein Produkt in dem Bereich gehabt. In einem fünfjährigen Projekt wurde nun Fusion entwickelt – 100 Produkte daraus werden ab Anfang nächsten Jahres ausgeliefert. Ellison: „Das war unser bisher größtes Entwicklungsprojekt und ich hoffe, so etwas nie wieder machen zu müssen.“
Details wird Ellison am Mittwoch in einer weiteren Keynote bekannt geben. Fusion ist offenbar ein recht neuartiges Konzept für die Themen ERP, CRM und HRMS. Die Software Suite baut auf Business Intelligence und nicht mehr auf Prozess-Automation und integriert Social Networking sowie Collaboration. Fusion soll dem Anwender mitteilen, was er wissen sollte, was er deshalb tun sollte, wie er es tun sollte und mit wem. Etwa, dass zu wenig verkauft wurde, und zwar an Oracle, dass er deshalb eine andere Lieferung zurückstellen sollte und deshalb diesen Kunden anrufen müsste.
Ellisons Berater, die ihn vor zu technischen Details warnten, hatten übrigens recht. Etwa ab Mitte des Vortrages strömten die Besucher aus der Halle und gegen Ende war wohl nur mehr die Hälfte anwesend. Die andere Hälfte hatte sich schon Richtung „Oktoberfest“ aufgemacht und es sich an Tischen mit blau-weiß karierten Tischtüchern bequem gemacht.. Von Fujitsu gesponsert gab es im Zelt vor dem Moscone Center Bier, Brezel, Frankfurter und andere eher undefinierbare Würste sowie Streuselkuchen.
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