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Mangel an Venture Capital in Österreich

 

Aufstrebende Wirtschaftszweige wie die IKT- und Life-Science-Branche leiden unter dem Mangel an Risikokapital. Der Finanzminister ist seit Jahren säumig gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

(Wien, 3.6.2010) Wirtschaftliches Wachstum und Prosperität hängen von einer Reihe von Standortfaktoren ab. Da Technologie und insbesondere IKT (Informations- und Kommunikations-Technologie) eine immer größere Rolle dabei spielen, gibt es aber drei dominante Faktoren: Ausbildung, Forschungsförderung und die Verfügbarkeit von Venture Capital.

Bedauerlich, aber in allen drei Bereichen liegt Österreich hinten. Lehrergewerkschaft und GÖD blockieren zum Schaden der Kinder, des Landes und unserer Zukunft hartnäckig jegliche Reform des Schulwesens. In der Folge fällt Österreich laufend auch in den internationalen Universitätsrankings zurück.

Forschung
Bei der Forschungsförderung erreichen die fortgeschritten-sten Länder bereits etwa vier Prozent des BIP. Österreich verliert auch hier an Boden und verfehlt sogar das selbstgesteckte Ziel von drei Prozent. Und das obwohl es in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe von Initiativen der Bundesländer gegeben hat.

Kein Risikokapital
Gänzlich im Argen liegt aber der Bereich Venture Capital. Das pfm-Magazin hat vor genau vier Jahren eine Bestandsaufnahme gemacht. Hier Auszüge daraus:
Eine funktionierende Venture Szene ist Voraussetzung für ein hohes technologisches Niveau eines Landes. Trotz des Paradeunternehmens Global Equity Partners liegt Österreich international weit hinten. Das Urteil stammt von einem, der es wissen muss. Der Grazer Ulrich Grabenwarter managt fast die Hälfte der fünf Milliarden Euro des European Investment Fund, des größten europäischen „funders-fund“. Grabenwarter betreut etwa 100 Fonds in über 17 Ländern, davon ganze zwei in Österreich. Der HTA III von Global Equity Partners (GEP) war der erste, in den er fast neun Millionen Euro steckte, der zweite war der PVP I von Pontis Venture Partners.
Bei der Venture-Capital-Szene liegt Österreich im europäischen Vergleich weit hinten. So stellt EIF-Experte Grabenwarter lakonisch fest: „Die Erfordernisse für Venture Fonds in Österreich sind derart komplex, dass einem normal sterblichen Investor die Lust vergeht in Österreich zu investieren.“ Grund dafür ist die Konstruktion der MFAG (Mittelstandsfinanzierungs AG), die für das De-Investment derart hohe und völlig sinnlose bürokratische Hürden vorsieht, dass es sechs bis acht Monate dauert bevor einem Investor Geld rückgeführt werden kann. Hier ist Österreich eindeutig Europas Schlusslicht.

Soweit die Auszüge aus dem pfm-Magazin von vor vier Jahren. Wie stellt sich die Situation heute dar? Kurz gesagt: unverändert. Venture Profi und Global Equity Partner Vorstand Herbert G. Herdlicka ist mit der österreichischen Situation rundum unzufrieden: „Es wurde zwar vor der letzten Wahl etwas verändert, aber die derzeitige gesetzliche Lage ist einfach nicht handhabbar. Und leider scheint das Interesse im Finanzministerium auch sehr gering nun endlich brauchbare Instrumente zu schaffen.“ Als Folge fürchtet Herdlicka Abwanderung sowohl von Mitteln als auch von Ideen, zukunftsträchtigen Produkten und geistigen Kapital in andere Länder wo bessere Finanzierungen möglich sind.

Gute Förderung etwa in Wien
Besonders ärgerlich ist die Situation, wenn wie in Wien Top-Förderungen für Forschung und Entwicklung vorliegen, aber die industrielle Auswertung dann entweder gar nicht oder aber in Deutschland oder im Silicon Valley stattfinden muss.

Barbara Novak, IKT Sprecherin der SPÖ, fordert daher: „Ich fordere daher den Finanzminister und Wirtschaftsminister auf endlich den Forderungen der Branche auch nachzukommen und den Rechtsrahmen an europäische Standards anzupassen um so Abwanderungen von erfolgreichen Start-Ups in der Wachstumsphase zu verhindern.“

Internationaler Vergleich
Die Investments des EIF in Fonds für IKT und Life Science verteilen sich auch sehr ungleich in Europa. Vergleichbare Länder erhalten fast doppelt so viel wie Österreich: Belgien hat acht, Finnland, Schweden und Irland je sieben und Österreich gerade einmal vier Fonds.

Der deutsche Private Equity-Markt setzt dagegen seine im zweiten Halbjahr 2009 begonnene Erholung fort. Im ersten Quartal 2010 wurden in Deutschland 1285 Millionen Euro investiert. Im Vergleich zum Anfangsquartal des Vorjahres (346 Millionen Euro), dessen Ergebnis deutlich unter der Finanz- und Wirtschaftskrise litt, konnten die Investitionen fast vervierfacht werden.

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