(23.01.2012, 16:00) In den letzten Jahren stieg der Bedarf an zusätzlichem UHF-Spektrum deutlich an. Mit der bisherigen Politik der Zuteilungsgremien, bestimmten Anwendungen feste Frequenzbereiche zuzuweisen, wird das bestehende Spektrum allerdings nicht effizient genutzt. Häufig sind die lizenzierten Frequenzbänder nur gering ausgelastet, andere hingegen sind überlastet.
Die Mobilfunk-Branche will daher versuchen, weitere Frequenzen im UHF-Band zu erlangen. Nach der Räumung des VHF-Bandes III und dem 800 MHz-Bereichs des UHF-Bandes, soll dem digitalem TV nun weit weniger Frequenzen zur Verfügung stehen. Der 800 MHz-Bereich des UHF-Bandes wurde dabei den Mobilfunkanbietern übertragen. Das ist auch für eine erschwingliche Versorgung des ländlichen Raumes mit Breitband unabdingbar.
Zur Zeit arbeitet die Europäische Kommission im Rahmen des RSPP (Radio Spectrum Policy Programmes) an der Verbesserung der Nutzung des Frequenzspektrums. Auch die Nutzung durch andere Technologien, wie dem neuen Standard LTE und der Nachfolge-Technologie LTE-Advanced soll dabei berücksichtigt werden.
Dabei sollen in erster Linie sogenannte White Spaces genutzt werden. Dabei handelt es sich um ungenutzte Frequenzbänder, die zwar einer Anwendung zugeordnet sind, allerdings nicht lokal genutzt werden. Das Interesse, diese überschüssigen Frequenzen zu nutzen entstand, nachdem das analoge Fernsehen in den UHF-Frequenzen durch DVB-T ersetzt wurde. Dabei wurde weniger Spektrum für das terrestrische digitale Fernsehen benötigt, wobei man das noch verbleibende Spektrum als Digitale Dividende bezeichnete.
In den USA wurde von der FCC (Federal Communications Commission) vor Kurzem eine Regelung verabschiedet, die es Geräten ermöglicht lokal freie Frequenzen, so genannte White Spaces, unter Einhaltung gewisser Regeln zu nutzen. In der EU gibt es derzeit noch keine solche Regelung. Das RSP-Programm soll dies aber offenbar bald ändern.
Technik-Größen wie Google und Microsoft weisen schon seit Längerem daruaf hin, dass White Spaces es ermöglichen, dass Mobiltelefone, Computer und andere Wireless-Geräte Gigabytes von Daten innerhalb von Sekunden zu übertragen. Im Gegensatz zu WiFi, mit dem lediglich die Übertragung von Megabit pro Sekunde möglich ist, wird damit die Übertragungsgeschwindigkeit enorm erhöht. Allerdings muss gleichzeitig sichergestellt werden, dass die Nutzung dieser White Spaces nicht die Rundfunkübertragung oder die Frequenzen für andere lizenzierte Dienste stört.
Die vorgeschlagene Lösung in den USA beruht auf einer Datenbank, die White-Space-Frequenzen sammelt, welche automatisch von Wireless-Geräten angesprochen werden, bevor sie sich damit verbinden können. Die erste so eingerichtete Datenbank soll am 26 Jänner in Wilmington, N.C., zum Einsatz kommen und wird von der Firma Spectrum Bridge, Inc. betrieben werden. Die Schwierigkeit der Nutzung der White Spaces liegt vor allem darin, dass etwa ungenutzte Kanäle des digitalen TVs stark von Region zu Region variieren können. Daher ist oft die Umsetzung der Nutzung dieser Frequenzen erschwert.
Bei dem von Spectrum Bridge entwickeltem System, kann nun aber die geografische Lage der Geräte, die auf die White-Space-Frequenz zugreifen wollen eruiert und die Kanäle bestimmt werden, die in der jeweiligen Region zur Verfügung stehen. Danach kann eine Liste mit diesen Kanälen geliefert werden und die Geräte können diese freien Frequenzen nutzen. Wenn das Pilotprojekt in Wilmington Erfolg hat, kann man davon ausgehen, dass die Technologie bald in ganz Amerika und offenbar auch in Europa genutzt werden könnte.
Auf der WRC in Genf wird es in diesem Jahr zwar noch zu keiner Identifizierung von Spektrum für drahtlose Breitbanddienste kommen, es wird aber jedenfalls festgelegt, was auf der WRC 2016 erreicht werden soll. In erster Linie soll hierbei das Ziel, allen EU-Bürgern vor 2020 eine Internetverbindung von 30 Megabit pro Sekunde zu ermöglichen, verfolgt werden.
Auf der Konferenz sollen zudem, mehreren Quellen zufolge, auch die Nutzung der Frequenzen zwischen 470 und 790 MHz für mobile Datendienste diskutiert werden. Dabei soll für die deutsche Telekom und Co die Bedeutung von DVB-T abnehmen und der Frequenzbereich unter 790 MHz für den Mobilfunk geöffnet werden.
Auch volkswirtschaftlich soll der Ausbau der Mobilfunkversorgung von größerer Bedeutung sein als die Weiterentwicklung von DVB-T. Denn an der Einführung und Weiterentwicklung des Nachfolgers DVB-T2 wird gezweifelt. Der Mobilfunk hingegen soll stärker ausgebaut werden. Vor allem auch soll der klassische Rundfunk mit LTE weiter zusammenwachsen. Zudem kann man auch von einer Entwicklung zu einem broadcastingfähigen LTE ausgehen, was bedeutet, dass mit dem LTE-Netz auch eine Ponit-to-Multipoint-Übertragung möglich sein könnte und man mit dem Netz sowohl digitales Fernsehen als auch Hörfunk übertragen könnte. Beim UHF-Bereich locken vor allem auch geringere Kosten, die sich aufgrund einer geringeren Anzahl notwendiger Basisstationen ergeben.
Für die Zukunft wird es aber auf jeden Fall eng in den Bändern werden. Mobilfunker befürchten bis spätestens 2015 an die Grenzen zu stoßen und fordern entweder die Umwidmung der Digitalen Dividende oder die Entwicklung von Hybridsystemen, welche es ermöglichen, die Frequenzen besser auslasten und nutzen zu können.