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Blackberry-Zensur in den Emiraten

 
Fotocredit: Tagesschau.de
 

Nach China sehen auch die Vereinten Arabischen Emirate eine Sicherheitsgefahr in Blackberrys. Ab 11. Oktober herrscht Verbot für alle webbasierten Dienste auf den RIM-Smartphones.

(Wien, 02.08.2010) Die Vereinigten Arabischen Emirate haben angekündigt, den Internet-Zugang auf dem Blackberry-Smartphone einzuschränken.

 

Datenverschlüsselung als Sicherheitsrisiko

Die Regierung der Emirate stört sich daran, dass die Blackberry-Dienste, vor allem die Kurznachrichten, ihre Aktivitäten rund um Zensur, Filterung und Kontrolle behindern. Die Tatsache, dass der Datenverkehr verschlüsselt abläuft, Daten unmittelbar ins Ausland übermittelt werden und sich das der staatlichen Überwachung entzieht, stellt ein Sicherheitsrisiko für das Land dar, so die Aufsichtsbehörde für Telekommunikation (TRA). Research in Motion verstoße demnach gegen den nationalen Regulierungsrahmen, was ein Verbot der Internet-basierten Dienste auf dem Blackberry nach sich zieht.

 

Keine Zensur

Erst wenn RIM eine akzeptable Lösung präsentiert und installiert, soll es zu einer Überprüfung der Entscheidung kommen, so die TRA. "Wir reden über eine Aussetzung der Dienste, weil diese sich nicht an die Telekommunikationsgesetze der VAE halten", sagte Mohammed al-Ghanim, Generaldirektor der Aufsichtsbehörde. "Man habe registriert, dass das Blackberry in anderen Ländern unter ähnlichen Rahmenbedingungen folgsamer zu sein scheint." Der Beschluss habe nichts mit Zensur zu tun, betonte Behördenchef al-Ghanim.
Dabei kommt es zu Zensurbeschlüssen in den VAE nicht selten; etliche Webseiten mit pornographischem Inhalt sind davon betroffen. Die Staatenföderation mit 4,5 Millionen Einwohnern hat eine der höchsten Internetnutzungsraten im Nahen Osten.

 

Proteste angekündigt

Während jetzt das Aus für das Blackberry in den VAE droht, wird das Gerät auch dort in der Geschäftswelt sehr geschätzt. Gegen den Beschluss sollen nun Proteste folgen, sagen Experten voraus. "Der Blackberry wird von vielen Unternehmen als unverzichtbar betrachtet. Wenn man also will, dass ein Land attraktiv für Investoren ist, dann ist es unsinnig, Blackberry-Dienste zu sperren", sagte Irfan Ellam, Telekom-Analyst von Al Mal Capital. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters nutzen rund 500.000 Menschen ein Blackberry. Betroffen von dem Verbot wären jedoch auch auch Touristen und Geschäftsreisende. Den E-Mail-Zugang für Geschäftsleute zu sperren, sei demnach undenkbar.

 

Spionageprogramm

Schon im Juli 2009 hatte der Smartphone-Hersteller RIM Ärger mit der TRA. Grund der Auseinandersetzung war eine Software-Aktualisierung, die die staatliche Emiratische Gesellschaft für Telekommunikation Etisalat den Blackberry-Kunden angeboten hatte. Dabei handelte es sich laut RIM um Spionagesoftware des US-Konzerns SS8. Mit dem "Performance-Patch" ließ sich angeblich der E-Mail-Verkehr der Blackberry-Kunden aushorchen. Zur Klärung der Vorwürfe kam es jedoch nie, da Etisalat jegliche Stellungnahme verweigerte. 
 

Zukunftsmarkt Indien

Sollte Research in Motion nicht sofort die Sicherheitsbedenken zerstreuen, drohe dem kanadischen Unternehmen auch in Indien eine Datendienst-Sperre. Das indische Telekom-Ministerium hatte einem Bericht des Handelsblatts zufolge RIM aufgefordert, die vollständige Kontrolle des E-Mail-Verkehrs zuzulassen und die Verschlüsselung aufzulösen. Indien wäre ein großer Verlust für RIM, da der Mobilfunkmarkt weltweit am schnellsten wächst und ein bedeutender Zukunftsmarkt für Smartphone-Hersteller ist. Die Zahl der Blackberry-Nutzer wird in Indien auf 400.000 geschätzt.

 
Aussendung der Emirates News Agency

 

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