(26.01.2012, 11:45) Rhapsody, ein US-Streaming-Pionier, übernimmt nun nach der Akquisition seines Konkurrenten Napster auch dessen europäische Tochtergesellschaft Napster International. Das Angebot von Napster im europäischen Raum stand bisher in Deutschland und Großbritannien zur Verfügung und soll, anders als in den USA, trotz der Übernahme von der Marke Napster weitergeführt werden. In Amerika mussten nach dem Aufkauf sämtliche Napster-Kunden zu Rhapsody wechseln.
In Europa wird dies nicht erforderlich sein. Die bisherige Napster-Infrastruktur wird nun aber vollständig von Rhapsody übernommen. Die Kunden werden die Änderungen, die im März bereits abgeschlossen sein sollen, allerdings - bis auf die geplanten Verbesserungen - kaum merken. Sowohl die Musikbibliothek der Nutzer als auch der Preis, den sie für den Dienst bezahlen, bleiben unverändert bestehen. Die Veränderungen werden vor allem in einer Verbesserung des Web-Clients und der Mobile-Apps sowie in einem neuen Web-Interface bestehen. Vor allem wird sich auch die Offline-Playbackqualität erhöhen sowie die Verwaltung von Musiklisten effizienter gestaltet werden.
Auch die Mitarbeiter von Napster werden übernommen, Neubesetzungen sind nicht geplant. Der Rhapsody-Chef, Jon Irwin, bezeichnet die Übernahme von Napster und seinem Kundenstamm im Vereinigten Königreich und in Deutschland als "idealen Einstieg in den europäischen Markt". Es hat also den Anschein, als soll das Angebot auch auf andere europäische Länder ausgeweitet werden.
Napster ist ein 1998 von Shawn Fanning gegründetes Musiktauschportal, welches 2001 wegen Rechtsverletzungen abgeschaltet wurde. Den bekannten Namen nutzte man in weiterer Folge aber für die Gründung eines Online-Abo-Musikdienstes, wobei das Unternehmen aber bald mit starker Konkurrenz konfrontiert war. Im Dezember des letzten Jahres wurde Napster von Best Buy aufgekauft. Das Unternehmen bewahrte sich bei der jetzigen Übernahme durch Rhapsody eine Minderheitsbeteiligung.
Die Übernahme wird von Experten der Branche begrüßt. "Rhapsody hat eine entscheidende Rolle bei der Definierung von Streaming-Musikdiensten gespielt, die für die Zukunft der gesamten Branche unabdingbar sind", meint etwa Rob Wells, von der Universal Music Group.
Rhapsody startete 2001 als einer der ersten Online-Musik-Dienste und ist heute der größte Premium-Musik-Anbieter in Amerika. Der Konzern kann 1 Million zahlende Abonnenten zählen und bietet über 14 Millionen Titel aus knapp 600 Genres an. Auch zahlreiche Musikjournalisten beteiligen sich an dem Dienst und stellen den Abonnenten ihre Inhalte zur Verfügung. Zusätzlich werden Kritiken und Musiklisten von mehr als 200 programmierten Radiostationen angeboten.