Einer US-Studie des Beratungsunternehmens Nielsen zufolge verbringen Amerikaner immer weniger Zeit mit Telefonieren. Gleichzeitig sind SMS und E-Mail-Nachrichten immer beliebter.
(Wien, 27.08.2010) In einem Online-Artikel des Magazins Wired kündigt Clive Thompson den anstehenden „Death of the phone call“ an. Er, der Telefonanruf, habe es auch nicht anders verdient, so Thompson. In der Tat stützt sich diese Hiobsbotschaft auf US-Studie von Nielsen. Resümee: eine deutliche Abnahme an aufgewendeten Telefonminuten in allen Altersklassen. Der SMS-Versand hingegen stieg deutlich an: innerhalb von zwei Jahren auf das doppelte Pensum bei den zwischen 18- und 24-Jährigen. Laut BITKOM wurde auch in Deutschland ein Anstieg von versendeten Kurznachrichten registriert: 2009 waren es 24 Prozent mehr verglichen zum Vorjahr.
Unhöfliche Anrufer
Die Nachteile des Anrufens liegen auf der Hand: Axel Rühle von der Zeitung Süddeutschen beschreibt es wie folgt: „Jemanden abends um elf anzurufen, hat etwas vom Eintreten der Wohnungstür.“ Ob E-Mail oder SMS, der Kontaktierte kann sich bei diesen Kommunikationswegen selbst aussuchen, ob beziehungsweise wann er antworten möchte.
Hinzu kommt unsere Bequemlichkeit: Viele Menschen empfinden es als angenehmer zu schreiben als zu sprechen, beispielsweise schüchterne Personen. Andrea Lunsford von der Stanford Universität sieht die Entwicklung der Vielschreiberei positiv: Aufgrund des Internets wäre das Schreiben wieder alltäglich geworden, was vor wenigen Jahren noch für viele, besonders Jugendliche, Pflichtcharakter – etwa für die Schule – hatte.
Hat man sich zu Beginn des Booms von Facebook und Co noch vor der „sozialen Vereinsamung“ der User gefürchtet, gibt es immer mehr Studien, die die Vorteile der Web-Kommunikation filtern.
So oder so: Obwohl das Telefon für längere Gespräche zwischen Freunden nach wie vor herangezogen wird, scheint das Nachrichtenschreiben im Alltag weniger soziale Anstrengung zu kosten. Stören würde man so auch niemanden – und die Haustüren bleiben geschlossen.