(10.12.2011, 22:12) Zunächst gleich mal eine erste Einschätzung: Mit dem Galaxy Nexus ist Google und Samsung ein Quantensprung gelungen. Die Kombi von Samsungs überragender Hardware mit dem wohl fortschrittlichsten Betriebssystem in der Geschichte von Smartphones ermöglicht eine völlig neue User Erfahrung, die auszuloten wirklich einige Zeit erfordert.
Da ist zunächst einmal das Display, das in US-Reviews sicherlich als "mind blowing" bezeichnet werden wird. Das 4,65 Zoll HD Super AMOLED Display weist 1280X720 Bildpunkte auf. Das ist die höchste Zahl an Bildpunkten pro Fläche, die bisher je am Markt zu sehen war. Fotos und Videos ansehen oder Fernsehen mit der A1 TV App werden damit zum ultimativen Erlebnis.
Interessant wie Samsung und Google dabei aber getrickst haben. Denn das Display ist, wenn ich das recht sehe, genau so groß wie das des Galaxy S2 mit seinen 4,3 Zoll, angegeben werden aber 4,65 Zoll. Denn die bisher in Hardware realisierten Tasten werden nun als Softkeys in das Display verlegt. Bisher habe ich allerdings noch keine App gefunden, die diesen Bereich ausnutzen könnte. Der für Apps oder Fotos nutzbare Bereich bleibt also bei 4,3 Zoll. Das ist z.B. auch bei der von A1 auf dem Gerät ganz hervorragend funktionierenden TV-App zu sehen – die Softkeys sind recht sim Bild:

Zwei Hardware-Tasten haben aber an den Seiten des Nexus noch überlebt: Links der Lautstärke Regler und rechts der Ein-/Aus-Schalter. Will man das Galaxy Nexus nutzen, drückt man auf die Taste rechts und hat dann die Möglichkeit einen Kreis über ein geöffnetes Schloss oder die Kamera zu ziehen, um sich anschließend entweder bereits zum Fotografieren oder in der zuletzt genutzten App wiederzufinden.
Bei der ersten Installation, hat man die Option alle Daten und Apps vom vorherigen Device geladen zu bekommen. Bei mir schon knapp 1.000 Fotos sowie eine Unzahl von Apps. Der Prozess dauert gar nicht lange, denn das Nexus ist mit bester Kommunikation ausgestattet: LTE leider noch nicht in Österreich, weil das BMVIT und der Regulator glauben Geräte für LTE gebe erst im Jahr 2013, aber sonst gibt es diese ultraschnelle Datenkommunikation mit 100 Mbps schon in einer ganzen Reihe von Ländern. Bei uns gibt es HSPA+ mit 21 Mbps, HSUPA für den Upload mit 5,76 Mbps sowie EDGE/GPRS.
Heftig ist aber auch, wie schnell die Wlan Verbindung ist. Bei mir zu Hause sehe ich 65 (in Worten: fünfundsechzig) Mbps, was auch realistisch erbracht wird, da hinter dem Wlan-Router Glasfaser mit 100 Mbps zu Gange ist. Und das ist eine für ein Smartphone echt phantastische Performance, da offenbar der Wlan Standard auch tatsächlich implementiert ist. In den Specs angegeben sind jedenfalls die Standards 802.11 a/b/g/n (2.4GHz/ 5GHz), die offenbar bestens realisiert sind. Dass NFC und Tethering unterstützt werden, ist man schon geneigt, als Selbstverständlichkeit hinzunehmen.


Cool finde ich auch, dass mich Google über so Trivialitäten wie die Wlan Speed informiert. Aber ich möchte das einfach gerne wissen.
Was ich auch noch gerne wissen möchte, sind so Dinge wie welche App wie viel von meinen begrenzten Akkuressourcen auffrisst oder den aktuellen Datenverbrauch. Mein kleine Tochter hat kürzlich mit ihrem iPhone eine Rechnung von 350 Euro wegen des Downloads von 6,6 GB an YouTube Videos verursacht.
Abgesehen davon, dass diese Rechnung der Firma Orange den Straftatbestand des Sachwuchers erfüllt und daher vor Gericht nicht bestehen wird, würde ich und wahrscheinlich mit mir viele Eltern doch gerne eine genaue Information darüber haben, was am Phone meines Kindes vor sich geht. Und Ice Cream Sandwich liefert das in vorbildlicher Weise. Und – ich kann ein Limit für die Daten festlegen! Links ein Screenshot von dem entsprechenden Infoscreen, rechts von der ebenfalls vorbildlichen Information über Akkuladezustand und die einzelnen Verbraucher.


Die in dem rechten Screenshot angegebene Verwendungszeit von 8 Stunden und 27 Minuten mit Akku, entspricht der Zeit seit der letzten Aufladung. Bisher scheint sich der Akku recht langsam zu entleeren, zu bestimmen wie viel er wirklich aushäl,t bedarf allerdings noch einiger ausführlicherer Tests.
Grafik und Performance
Jüngst ist ja Android ins Gerede gekommen, da ein Ex-Praktikant bei Google in einem Blogbeitrag gemeint hatte, das Google Betriebssystem werde nie so flüssige Grafikperformance zeigen wie iOS oder Windows Phone. Da hat der gute Mann aber offenbar Ice Cream Sandwich aber noch nie zu Gesicht bekommen.
Es ist richtig, dass bisherige Android Versionen schon etwas ruckelten, wenn man etwa durch Websites scrollte. Das ist mit Ice Cream Sandwich definitiv vorbei. Jede Bewegung erfolgt nun mindestens genauso flüssig wie bei Apples Systemen und ist sogar gleichauf mit dem noch besseren Windows Phone.
Sicherlich trägt zur Verbesserung der Performance auch der Doppelkern Prozessor mit einer Taktung von 1,2 GHz bei. Auch die Ausstattung mit 1 GB RAM und 16GB/ 32GB Internal Memory sind sehr gut. Aber der wesentliche Fortschritt kommt sicher von Android 4.0.
Was in dem Zusammenhang auch interessant ist, dass Google nun einem von Apples Patenten aus dem Weg geht, das in Holland zu einer Verurteilung von Samsung führte. Dabei geht es um die Behandlung von Listen, wenn man ans Ende kommt. Apple hat ein Patent darauf, dass man die Liste weiterziehen kann und ein leerer Raum gezeigt wird.
Google hat Android nun so abgeändert, dass ein blaues Leuchten am Listenende erscheint. Das ist zwar ok, aber nicht so gut, wie die Lösung die Apple patentiert hat, weil diese offensichtlich ist – und daher nach der Gesetzeslage nicht patentiert hätte werden dürfen.
Eine interessante und originelle Lösung hat Google in der Galerie für die Bildervorschau realisiert (Bild unten links). Es werden dabei die Reihen gekippt sobald man am Ende angelangt ist. Und bei den App Screens wird beim Ziehen der nächste Screen über den vorigen überlagert (Bild rechts). Und das ist überhaupt das Heißeste, was ich auf diesem Gebiet bisher gesehen habe.


Apps und Organisation
Schon bisher hatte Android mit seinen Widgets die besten Möglichkeiten angeboten, sein Smartphone nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten. Das wurde nun noch erhablich ausgeweitet. Weder das iPhone noch gar Windows Phone reichen an diese Flexibilität auch nur annähernd heran.
Schon beim ersten Einstieg bekommt man einige nützliche Hinweise, wie man das Galaxy Nexus an die eigenen Bedürfnisse perfekt anpassen kann. (Bild unten links). Weil in diesem Bild der Browser gezeigt wird – die unterste Zeile, die bisher mit irgendetwas vorbelegt war und die auf allen Startscreens zu sehen ist, kann man nun selbst gestalten. In meinem Fall fliegt daher sofort er Standard Browser von Google raus und wird durch den Dolphin HD ersetzt. Obwohl Google auch den Browser verbessert hat, kommt er mit dem Dolphin noch immer nicht mit.
Ice Cream Sandwich scheint nun auch neue Dimensionen zu erschließen bei der Zahl der offenen Apps. Wie ich den Screenshot (Bild links) genommen habe, hatte ich rund 20 Apps offen, ohne aber die geringste Verschlechterung der Performance zu beobachten. Auch hier können sich alle Konkurrenzsysteme eine Scheibe abschneiden. Der Wechsel zwischen den Apps geht blitzschnell, auch wenn wie in diesem Fall mehrere Games, die das System noch immer ordentlich belasten können, betroffen sind.
Die Homescreens lassen sich nach den eigenen Wünschen extrem flexibel gestalten. Man kann einfach Apps auf den Homescreen ziehen. Zieht man eine App über die andere, entsteht automatisch ein Ordner. Und dann gibt es die Widgets, die neue Inhalte am Homescreen automatisch anzeigen. Und davon gibt es offenbar nicht nur einige vorgefertigte wie bisher, sondern grundsätzlich für alle Apps. Zum Bespiel habe ich mir den Twitter Account der Telekom Presse in Seesmic auf den Homescreen gezogen und erhalte damit den direkten Zugriff auf dieses Konto.


So, jetzt schließe ich den ersten Teil unseres Testberichtes über das Galaxy Nexus und Ice Cream Sandwich.
( )© Telekom-Presse
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