(22.1.2011, 14:55) Eine App für das iPad zu haben, gehört offenbar auch in Österreich mittlerweile zum guten Ton. Die Qualität ist allerdings recht unterschiedlich. Mehrheitlich wird einfach die gedruckte Ausgabe angeboten, der Komfort ist enden wollend. Funktionen, wie sie im Web üblich sind, wie Verlinkung mit externen Quellen oder Verbindung mit sozialen Netzen fehlen jedoch auch bei den besten Angeboten. Damit sind die Medien-Apps ein grundsätzlicher Rückschritt gegenüber den bisherigen Web-Auftritten der Medien.
Am schlechtesten im Vergleichstest schneiden Kurier, Krone, News und Heute ab. Sie bieten praktisch eins zu eins die Printausgabe, für die man meist noch längere Ladezeiten in Kauf nehmen muss. Gut gelungen ist die App der Die Presse, die sich durchaus mit Handelsblatt First, Financial Times oder New York Times messen kann. Durch Abwesenheit glänzt Der Standard, der zwar eine iPhone App hat, aber keine für das iPad. Allerdings hat der Standard in der Zwischenzeit auch die bei weitem schlechteste mobile Website, die etwa am Galaxy Tab schon lächerlich wirkt und kein Umschalten auf das klassische Layout ermöglicht, wie es etwa Die Presse anbietet.
Die Presse
Auf einer Übersichtsseite werden zunächst die wichtigsten Schlagzeilen angeboten. Nach unten ziehen führt zu einer Aktualisierung der Inhalte auch während des Tages. Schiebt man die Seite nach oben, bekommt man die einzelnen Ressorts zu sehen. In jedem Ressort kann man horizontal scrollen und sieht damit die 6 aktuellsten Stories aus jedem Ressort.


Generell werden alle Artikel im Schlagzeilenbereich mit Titel, ausführlicher Kurzform und einem Bild angeboten. Ein Klick auf einen Titel oder Teaser zeigt den gesamten Artikel in einer sehr angenehmen Schriftgröße. Mit Pfeilen nach links und rechts kann man durch die anderen Artikel des Ressorts scrollen.
Aus der unteren Menüleiste kann man noch in eine Fotogalerie wechseln mit recht guten Fotos von aktuellen Ereignissen. Ebenso kann man sich die Presse als ePaper holen und bekommt damit die aktuelle und frühere Print-Ausgaben zu Gesicht.
In der Kopfzeile findet sich ein Drop-Down-Menü „Teilen“ mit den Einträgen Facebook, Twitter, Email und „Mehr“. Auf Facebook zu teilen ist mir jedenfalls nicht gelungen. Das ist wohl auch deshalb schwierig, da keiner Headline eine URL zugeordnet ist, die man teilen könnte. Was mit dem Menü also bezweckt wird, bleibt unklar.
Handelsblatt First
Sehr ähnlich in der Funktionalität wie Die Presse ist die Handelsblatt App für das iPad, die es aber erst seit Anfang der Woche gibt und die ab Mai 12 Euro pro Monat kosten soll. Etwas unglaubwürdig und kurios ist die Ankündigung des Handelsblatt, dass die App aktueller sein werde als die Webseite. Ein ausführlicherer Testbericht findet sich hier.
Financial Times
Die App der Financial Times ist ebenfalls aktuell, zumindest wird sie jedesmal beim Öffnen aktualisiert. Was ich allerdings etwas irritierend finde, dass kein Datum und keine Uhrzeit der letzten Aktualisierung angezeigt wird. Die FT App enthält auch eine Serie von Videos zu fast jedem Ressort. FT produziert diese in sehr hoher Qualität selbst.
Die Artikel selbst stehen allerdings nur registrierten Benutzern zur Verfügung. Mit Euro 4,99 für die Standard Subskription bzw. 7,49 Euro für das Premium Abo pro Woche fällt eine Registrierung allerdings recht kostspielig aus.
New York Times
Die App der New York Times wird ebenfalls laufend aktualisiert. Der Inhalt ist kostenlos, allerdings im Umfang sehr beschränkt. Inhaltlich ist die App nicht vergleichbar mit der Website der NYT. Offenbar geht es bei der App nur ums Dabeisein.
Kurier
Die App des Kurier ist grundsätzlich nicht mehr als ein pdf der gedruckten Zeitung. Lediglich bei einigen Artikeln gibt es ein rotes Icon, das einem den Text in lesbarer Größe in einem Fenster liefert. Sonst bleibt einem nichts anderes übrig, als so weit zu vergrößern, dass die Schrift lesbar wird. Zur Erleichterung der Navigation können von oben die Ressort eingeblendet werden, durch die man manuell blättern muss – mühsam, aber wenigstens kostenlos.


Krone
Die Krone App ist sehr ähnlich der des Kurier. Die heutige Zeitung zeigte beim Download eine Größe von 37 MB an. Dann kann man sequentiell durchblättern – und das war‘s dann auch schon. Stimmt auch nicht ganz, denn man kann sich Thumbnails von allen Doppelseiten anzeigen lassen und damit die Blätterei etwas abkürzen. Da das Format der gedruckten Kronenzeitung in etwa dem des iPad entspricht, kann man sie auch ohne sie zu vergrößern ganz gut lesen – so man das will. Oder sich einfach die Bilder ansehen.


Heute
Originell finde ich, dass auch das Wiener Gratisblatt Heute eine iPad App hat. Diese App hat den langsamsten Seitenaufbau, den ich je bei einer App gesehen habe. Wie bei der Krone kann man entweder durchblättern (langsam) oder über Thumbnails zu den Seiten springen.


News
Die App wurde in der Werbung groß angekündigt als kostenlos schon am Mittwoch Abend verfügbar. War sie auch dreimal. Aber ab der Ausgabe 02/11 will der News-Verlag 2,39 Euro pro Ausgabe. Man kann entweder sequentiell durchblättern oder über ein kleines Menü zunächst das Ressort und dann eine Geschichte direkt anwählen. Längere Artikel sind ziemlich originell dargestellt. Sie werden nur teilweise gezeigt und man muss durchrollen – habe ich sonst noch bei keiner App in der Form gesehen. Und wirklich angenehm lesbar werden die Artikel dadurch auch nicht.


Kleine Zeitung
Auch die Kleine Zeitung ist mit einer eigenen App vertreten. Ich bitte um Verzeihung, dass ich dazu nicht mehr berichte, aber ich wollte mir die Hürde der Registrierung nicht antun. Aber hier zumindest der Screenshot der Startseite, die ein der Korne oder dem Kurier ähnliches Konzept vermuten lässt.
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