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Vertrauensfrage an HP von Investoren und Kunden

 

Die jüngsten Entscheidungen von HP das Smartphone- und Tablet-Business sowie das PC-Geschäft einzustellen stoßen nicht auf ungetrübte Zustimmung. Die Aktie des Unternehmens fiel um heftige 27% im Wochenvergleich.

 

(21.8.2011, 22:50) Märkte, Kunden und Medien fragten sich diese Woche, was in den Köpfen so mancher Top-Executives der Top-Unternehmen vorgeht. Die Performance die HP diese Woche hinlegte, sorgte für Kopfschütteln einerseits und saftige Verkaufsorders andererseits.

Die Ankündigungen von HP hatten nicht nur inhaltlich komplettes Unverständnis zur Folge, auch die Art und Weise wie sie an die Öffentlichkeit gelangten, ließen normale Standards an Professionalität vermissen. Schon zur Börseöffnungszeit sickerten Details durch, was HP dann zwang vorzeitig die ganze Geschichte zu veröffentlichen. Dann verstrich natürlich eine längere Zeit bis zum geplanten Conference Call, der die Erläuterungen brachte. Die allerdings gar nichts besser machten.

Das größte Problem für HP wird sein, dass das Management seine Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Aussagen, die getroffen werden und Großartiges ankündigen, gelten wenige Wochen oder Monate später gar nichts mehr. Das Vertrauen der Investoren ist dadurch offenbar so erschüttert, dass binnen einer Woche der Aktienkurs gleich um 27% verfiel. Was das für die Vertrauensbasis von Unternehmenskunden bedeutet, wird wohl erst die Zukunft weisen.

Im Fall von webOS, Smartphones und Tablets hat das HP Management offenbar binnen kürzerer Zeit seine Meinung um 180 Grad gedreht. Im ersten Quartal wurde wiederholt erzählt, dass heuer noch 100 Millionen Geräte mit webOS ausgeliefert werden. Auf PCs, Notebooks und ja sogar Druckern sollte das Betriebssystem für Smartphones und Tablets zu finden sein.

Aber dann wurden von 300.000 ausgeleiferten Tablets nur 25.000 verkauft. Und schon drehe sich der Wind um 180 Grad. 1,2 Milliarden Investment – egal. Eineinhalb Jahre Entwicklung – egal. Kunden, die gekauft hatten und auf weitere Versionen und ein Ökosystem vertrauten – egal. Ein Markt, der im Jahr um 70% wächst – brauchen wir nicht. Kein Wunder, dass die Investoren verkauften.

Noch negativer offenbar wirkte sich die Ankündigung aus, das PC-Geschäft abstoßen zu wollen – in den nächsten 12 bis 18 Monaten. Bitte? 12 bis 18 Monate? Die Kunden und Mitarbeiter sollen eineinhalb Jahre im ungewissen gelassen werden, wie es weitergeht? Damit hat Léo Apotheker, neuer CEO von HP, den Rekord von Stephen Elop, neuer CEO von Nokia, gebrochen. Dieser hatte im Februar die eigene Software als Mist bezeichnet und ein Nachfolgesystem in etwa einem Jahr angekündigt. Folge war ein noch nie gesehener Absturz eines Marktführers.

Die Investoren haben über HPs Strategie bereits abgestimmt und massiv ihren Unmut kundgetan. Ich bin nun neugierig, was die Kunden sagen werden. Als Kunde von HP muss man ja offenbar damit rechnen, dass die Aussagen von gestern einfach über Bord geworfen werden. Macht nicht genug Gewinn, kein Sharholder Value, Schluss damit – scheint die Devise zu sein.

Das war nicht immer so bei HP. Ich kann mich noch an ein Business Breakfast im Wiener Hotel Bristol mit Lew Platt, damals CEO von HP, in den 90ern erinnern. Platt versicherte, dass HP nicht dem Shareholder Value, sondern dem Stakeholder Value verpflichtet sei. Zu den Stakeholdern zählte er Mitarbeiter, Kunden, das Environment und die Shareholder. Und zwar in dieser Reihenfolge.

Wie weit hat sich die heutige HP davon entfernt? Dem vorigen CEO Mark Hurd wurde nachgesagt, er habe die Mitarbeiter nur mehr als Kosten aber nicht mehr als Asset gesehen. Apotheker wird man vielleicht auch mal nachsagen, er habe die Kunden nur mehr als Belastung aber nicht mehr als Aktivposten gesehen. Wer soll diesem Management von HP noch trauen?

( )

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Reaktionen auf diesen Artikel



Insider, 24.08.2011
Gemeine Entwicklung
"..die Mitarbeiter nur mehr als Kosten aber nicht mehr als Asset gesehen....und die Kunden nur mehr als Belastung gesehen..."
Eine Entwicklung die anscheinend in amerikanisch (geführten) Unternehmen usus ist. Nun, nicht umsonst steht die Weltwirtschaft auch so da...

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