(Wien, 21.8.2010) Derzeit machen die Nachrichten über Social Media bereits gefühlte drei Viertel des gesamten Nachrichtenvolumens der IT-, Telekom- und Medienbranche aus. Täglich erreichen uns News über neue Millioneninvestments in Start-ups, über Übernahmen und neue innovative Applikationen und Apps.
Das ist einerseits ein Zeichen dafür, dass Social Media jetzt die Akzeptanz der breiten Masse findet, wie dies rund um‘s Jahr 2000 mit dem Internet der Fall war. 500 Millionen User in Facebook, 200 Millionen in MySpace und 95 Millionen in Twitter sprechen da auch eine deutliche Sprache. Und wir klicken auch auf jeden Gefällt-mir- oder Tweet-Button, der irgendwie erreichbar ist. Michael Niavarani hat 106.000 Fans in Facebook – im April waren es noch 60.000, Venezuelas Präsident Hugo Chávez Frias hat eine dreiviertel Million Follower auf Twitter, obwohl er erst im April zu twittern begonnen hat. Das sind schon gewaltige Wachstumsraten.
Aber erinnern wir uns, wie es bei der Internet-Blase vor zehn Jahren war. Damals war die Zahl der Internet-Zugänge ziemlich sprunghaft angestiegen und Risikokapitalgeber investierten in alle Arten von Internet-Shops, -Software und –Auftritte. Es wurden international bei fast allen Newcomern Wachstumsraten in Aussicht gestellt, die nie erreicht werden konnten und zu unzähligen Konkursen führten. In Erinnerung bleiben die österreichischen Aktivitäten von Yline und Libro, die mit ebenfalls Konkursen endeten. Die deutsche Firma Intershop konnte diesen gerade noch vermeiden. Die Investitionslust wurde 2000 und wird auch jetzt gefödert von Deals mit Kaufsummen, die jenseits jeglicher Vernunft sind und der Übernahmehype schwillt laufend an. Aber der zwanzigste Geo-Tagging-Service hat einfach nicht mehr die gleichen Chancen wie die ersten drei.
Die Folge der weltweiten Konkurse war ein massiver Rückgang der Investitionstätigkeit und eine ausgewachsene Wirtschaftskrise. Die Social Media Blase wird platzen, wenn die Konsumenten genug davon haben, bei 1000 Seiten oder Marken ihr „Gefällt mir“ zu hinterlassen und die Verfolgung des Newsflows via Facebook, Twitter, Xing et.al. keine Zeit mehr für andere Tätigkeiten lassen wird. Sie wird platzen, weil die überzogenen Erwartungen für den Verkaufswert nicht mehr erfüllt werden, weil die anvisierten Kundenzahlen nicht mehr erreicht werden konnten. Sie wird platzen, weil Unternehmen hastig auf den Zug aufspringen und gedankenlos in SM-Auftritte investieren, die nicht mal den Invest einspielen.
Irgendwann werden wir nicht mehr am Blog unseres Friseurs, am Check In von hunderten Bekannten in beliebigen Shops oder Lokalen oder an den Tweets von In-Locations interessiert sein, weil es einfach zu viel wird. Und das wird die, die später in den Markt eingetreten sind, stärker treffen, als die „Firstmover“, die jetzt schon groß sind. Für Unternehmen kommt es darauf an, eine langfristige Strategie zu definieren, die authentisch und im Einklang mit den Werten des Unternehmens ist. Die, die jetzt nur aufspringen weil SM in ist, werden auch die ersten sein, die wieder verschwinden oder ihre Investments abschreiben können.
Nach Gartner gilt für alle technologischen Entwicklungen die Hype-Cycle-Kurve, die nach dem steilen Anstieg unausweichlich im "Gipfel der überzogenen Erwartungen" kulminiert, gefolgt von einem steilen Absturz. Die Frage ist, wie weit dieser ominöse Tag noch entfernt ist. Das fragen sich in jüngster Zeit auch US-Fachmedien und Blogger und in Umair Haques Blogpost in der Harvard Business Review ist von "relationship inflation" und "thin relations" die Rede. Und wenn die Blase platz, dann wird dies, ähnlich der Subprime-Blase, in den USA passieren. Wie Facebook gesehen wird, wenn bereits drei Viertel der Internetuser drinnen sind, beschreibt rech anschaulich Michael Estrin in einem Artikel in iMedia Connection.

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